Tag-Archiv für 'tagesspiegel'

Die Freie Universität Berlin kuschelt mit dem Freund der Forschung

Presseberichterstattung in den Tageszeitungen „Tagespiegel“ und „tageszeitung“ am Beispiel einer Veranstaltung mit Mohammed bin Rashid Al Maktoum an der Freien Universität Berlin. Der Tagespiegel bemüht sich dabei, die peinlichsten Anbiederungen von Dieter Lenzen und Michael Glos im Wortlaut wiederzugeben:

Tagesspiegel: Freund der Forschung

FU-Präsident Dieter Lenzen erklärte dem Premier, die Freie Universität könne „Ihrer Hoheit bei der Verwirklichung Ihrer Visionen für Bildung und Wissenschaft helfen“. Er erhoffe sich vom Staatsbesuch des Scheichs „neue Anknüpfungspunkte für weitere Kooperationen“. Lenzen bot Maktoum an, in der arabischen Welt „die Rolle eines Patrons der FU zu übernehmen“.

Tagesspiegel: Freund der Forschung

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) würdigte die Emirate in seiner Laudatio als „Aushängeschild einer modernen arabischen Gesellschaft“. Dafür sei vor allem Scheich Maktoum mit seiner „aktiven und kreativen Bildungspolitik“ verantwortlich.

Darüber, dass der herbeigewünschte Patron der Freien Universität Berlin nicht nur für Visionen in Bildung und Wissenschaft und eine aktive und kreative Bildungspolitik verantwortlich ist, schweigt sich der „Tagesspiegel“ elegant aus. Ein Bericht in der „tageszeitung“ weist auf die Lage der Menschenrechte in den Vereinigten Arabischen Emiraten hin.

die tageszeitung: Berliner Uni kuschelt mit Scheich

„Das autoritäre Regime in Dubai schließt einen Großteil der Bevölkerung von ökonomischen, sozialen und politischen Rechten aus“, sagte André Bank, Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Naher Osten an der Freien Universität. „Dort herrscht ein elitärer und exklusiver Club.“ Bank fände es deshalb „höchst problematisch“, mit den Herrschern von Dubai eng zu kooperieren. Er befürchtet, dass am Ende ein hohes Gut der Universität leiden könnte: die Unabhängigkeit der Forschung.

die tageszeitung: Berliner Uni kuschelt mit Scheich

Der wirtschaftliche Boom der Emirate ist erkauft durch eine Ausbeutung von hunderttausenden von Gastarbeitern. Sie stammen aus Bangladesch, Pakistan oder Indien, viele von ihnen schuften zu Hungerlöhnen, hausen in Barackenlagern. „Building Towers, Cheating Workers“ heißt ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch aus dem Jahr 2006. Das Fazit: „Hinter dem Glitzer und dem Luxus zeigt die Erfahrung der Gastarbeiter ein weniger attraktives Bild auf.“ Die Rede ist von „Lohnausbeutung“ und „Arbeitsbedingungen, die gefährlich bis tödlich sind“.

Aber was bedeutet schon die Unabhängigkeit der Forschung und die Situation einiger ArbeiterInnen, wenn es um Millionen von Stiftungsgeldern und dadurch mögliche Kooperationen geht. In der Tagesspiegel-Berichterstattung lässt sich der Vorteil einer anderen Kooperation erkennen:

Aus der Selbstdarstellung der Tagesspiegel-Beilage der Freien Universität Berlin

Acht Mal im Jahr berichten unsere Redakteure in einer Beilage im Tagesspiegel über wichtige Ereignisse an der Freien Universität. Hier stellen wir neue Forschungsergebnisse und herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, zeigen Entwicklungen und informieren über wissenschaftspolitische Ereignisse. Eine breite Öffentlichkeit erfährt so regelmäßig Wissenswertes über die Forschungsexpertise der Freien Universität. Bundesweit ist die Freie Universität Berlin die erste Universität, die eine solch ergiebige Kooperation mit einer überregionalen Tageszeitung eingegangen ist – und damit neue Leser gewinnt.

Eine Ursache der freundlichen Berichterstattung im Tagesspiegel könnte die „ergiebige Kooperation“ mit der Freien Universität Berlin sein. Ob mit derartiger Hofberichterstattung aber auf Dauer neue LeserInnen geworben werden können, scheint doch eher fragwürdig zu sein. Dieter Lenzen dürfte jedenfalls begeisterter Tagesspiegel-Leser sein. Kooperationen zahlen sich eben aus.

Und überhaupt, wo bleibt der Freiheitspreis der Freien Universität Berlin für Mohammed bin Rashid Al Maktoum?

Update: Selbst Spingers Morgenpost erwähnt in einem Bericht „Kopf des Tages“ kurz einige Kritikpunkte am „Herrscher des Übermorgenlandes“:

Von Demokratie im westlichen Sinne ist sein System zwar weit entfernt, auch die Lage der indischen und pakistanischen Arbeiter im Land ließe sich verbessern.

Zugang zum Master

In einer gemeinsamen Presseerklärung distanzieren sich die Allgemeinen Studierendenausschüsse der Freien Universität Berlin (AStA FU), der Technischen Universität Berlin (AStA TU) und des ReferentInnenrats der Humboldt-Universität Berlin (HU RefRat) von der Stellungsnahme des Sprechers der FHTW, Björn Stecher, die im Namen der Landesastenkonferenz bei der heutigen Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus abgegeben wurde.

Die Position Björn Stechers wurde mit der Landesastenkonferenz nicht abgesprochen und widerspricht der Auffassung der 3 ASten grundlegend.

Die Asten der TU und FU, sowie der RefRat der HU vertreten den Standpunkt, dass der Übergang vom Bachelor in den Master jeder Studierenden und jedem Studierenden offen stehen muss und es die Aufgabe der Politik ist, dies durch ausreichende Mittel und sicher zu stellen.

Im Gegensatz stehen die Aussagen des FHTW Sprechers:

Der Zugang zum Master müsse dringend an Qualitätskriterien gebunden werden, um den Studierenden einen erfolgreichen Berufsstart zu ermöglichen. Die Studierenden einfach zum Master „durchzuschleusen“, würde auch den Bachelor zu einem bloßen Durchgang zum Master degradieren, sagte Stecher

Die Redaktion des Tagesspiegels greift diese Aussage dankbar auf und freut sich über die vermeintliche studentische Zustimmung zur Position der Hochschulleitungen.

Hatte sich die Koalition von den Studierenden Unterstützung erhofft, wurde sie in der Anhörung enttäuscht. Für die Landesastenkonferenz stellte sich Björn Stecher, Student an der Fachhochschule für Wirtschaft (FHTW), hinter die Hochschulleitungen.

Dem Hinweis des FU AStA folgend, dass es sich hierbei NICHT um die Meinung der Landesastenkonferenz handelt, wurde später eingefügt – trotzdem wird im ersten Absatz weiterhin der Eindruck erweckt, es handele sich um die Position der Landesastenkonferenz.

David Hachfeld vom FU-Asta sagte nach der Sitzung, Stechers Äußerung entspreche nicht der Meinung der Landes-Asten.

Die ausführliche Position der 3 großen ASten kann auf der Homepage des AStA FU nachgelesen werden.

Proteste gegen Studiengebühren bald auch in Berlin?!

Die Presseerklärung des AStA FU vom 12. Mai 2006 wird vom Berliner Tagesspiegel in der Montags-Ausgabe aufgegriffen:

„Berliner Studentenvertreter kündigen einen „heißen Sommer“ mit Protestaktionen an. Nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im Herbst sei auch in Berlin mit einer neuen Studiengebührendebatte zu rechnen, erklärte am Freitag der Asta der Freien Universität (FU). „Wir werden nicht warten, bis wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden, sondern konsequent gegen alle Parteien vorgehen, die sich nicht gegen jegliche Form von Studiengebühren, Schulgeld und Kindergartengebühren aussprechen“, wird der hochschulpolitische Referent des FU-Asta zitiert.“

und weiter:

„Am ersten Juni werde es bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein berlinweites Treffen geben – „zur Gründung eines Protest- und Aktionsbündnisses“.“

Wir hoffen, dass sich viele engagierte Studierende in das Protestbündnis einbringen, um die Erfolge der letzten Semester zu wiederholen, die der Tagesspiegel allerdings verschweigt.
Denn schließlich haben wir durch Streiks und Proteste im Jahr 2003 Studiengebühren nach dem Studienkontenmodell verhindert und werden das wieder schaffen!