Tag-Archiv für 'studivz'

Rassismus kein Thema bei studiVZ?

Am 28.10. fand bei der Burschenschaft Gothia eine Party statt, welche unter anderem in dem StudiVZ Forum „Freie Universität Berlin Erstis 2007″ beworben wurde. Dort veröffentlichte ein Mitglied der FU StuPa-Liste „die Liste gegen Studiengebühren“ die Einladung zur sogenannten „Beta-gamma-Party“. Wie die Berliner Polizei in einer Pressemitteilung vom 29.10. mitteilt kam es dort zu einem Polizei-Einsatz, da „Partygäste rassistisch beleidigt“ wurden:

Partygäste rassistisch beleidigt – Ein 34-jähriger Brandenburger beleidigte in der Nacht zu Sonntag, den 28. Oktober während einer Party in in Zehlendorf zwei andere Gäste wegen ihrer dunklen Hautfarbe. Zu den rassistischen Beleidigungen kam es gegen 2 Uhr auf einer von Studenten in den Räumen einer Burschenschaft in der Königstraße veranstalteten Feier. Zeugen der beleidigenden Äußerungen alarmierten die Polizei. Die Beamten trafen den Mann noch vor dem Grundstück an und stellten seine Personalien fest. Außerdem musste der Betrunkene „pusten“. Danach wurde er am Ort entlassen.

Diese Pressemitteilung wurde von einen Studierenden als Ergäzung zu der Party Ankündigung im StudiVZ veröffentlicht. Die Forums-Moderatoren haben sich daraufhin entschieden den entsprechenden Beitrag zu zensieren. Der Studierende veröffentlichte daraufhin Anfang November einen neuen Beitrag in dem er diese Zensur kritisierte:

Mitte Oktober veröffentlichte P. D. A. hier im Forum eine Einladung zu einer Veranstaltung der schlagenden berliner Burschenschaft Gothia (Beta-Gamma-Party). Nachdem diese Party bereits gelaufen war ergänzte ich das Posting um eine Pressemitteilung der Berliner Polizei (Partygäste rassistisch beleidigt, 29.10.2007). Sowohl die Veranstaltungsankündigung als auch meine Ergänzung sind inzwischen nicht mehr auffindbar. Was soll diese Zensur?

Dieser Beitrag wurde inzwischen ebenfalls durch einen Moderator des StudiVZ-Ersti-2007-Forums zensiert. Da sich der betroffene Student bei uns gemeldet hat liegt uns folgende Erklärung zur Zensur vor:

Hi K.,
habe den Thread gelöscht, da der Autor sich an mich gewandt hat. Er wurde mit Dingen in Verbindung gebracht, mit denen er nichts zu tun hatte! Deshalb habe ich seinen Wunsch das Thema zu löschen entsprochen. Hoffe du akzeptierst die Entscheidung – hat keine politische Gründe – rein persönliche!
A.

Im dem von der Antifa TU Berlin zusammengestellten „Reader gegen Studentische Verbindungen“ heißt es zu der Gothia:

Die Gothia ist als einzige Berliner Burschenschaft Mitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, also des offen rechtsextremen Flügels der Deutschen Burschenschaft. Ihren Mitgliedern bietet sie seit Jahren eine breite Palette von rechten bzw. militaristischen Schulungsveranstaltungen, mit bekannten Protagonisten der extremen Rechten wie Alfred Mechtersheimer, Horst Mahler, Hans-Hellmuth Knütter oder aber auch etablierter Politprominenz wie dem ehemaligen Berliner Bürgermeister Eberhard Diepgen, welcher alter Herr der Burschenschaft Saravia Berlin ist.

Die Villa der Gothia in Berlin-Zehlendorf ist zudem Anschrift und Treffpunkt der Berliner »Reservistenkameradschaft Freiherr von Lützow«, deren etwa 25 Mitglieder die Interessen von Reservisten gegenüber der Öffentlichkeit und der Bundeswehr vertreten wollen. Ein Blick in deren Veranstaltungskalender zeigt recht deutlich, welches Spektrum hier bedient wird, so referiert man hier über die multikulturelle Gesellschaft als »Konstrukt ohne Integrationspotential«. Dass sich der »Reservistenkollege« und Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf Herbert Weber dafür stark macht, der Gothia Räume im örtlichen Rathaus zu überlassen, verwundert daher nicht wirklich.

Seit der Gründung der ersten Berliner Schülerverbindung »luvenis Gothia« 1981 wirbt die »Gothia« Gymnasiasten ab dem 14. Lebensjahr. Die ersten Mitglieder lernten sich so über die »luvenis Gothia« oder über CDU-nahe Schülergruppen kennen. Prominente »Gothia«-Mitglieder sind die Rechtsanwälte Markus Röscher und Eckart Johlige, deren gleichnamige Kanzlei auch von der Gothia-Webseite verlinkt wurde. Roschers Parteikarriere führte nicht allein über »nationalliberale« Berliner FDP-Kreise und die CDU, zur Bundestagswahl 1998 kandidierte er zusammen mit seinen Bundesbrüdern Norman Plaster, Eckart Johlige und Rene Nehring für den rechten Bund Freier Bürger.

Stalken statt Flirten

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Warnung des AStA FU vor der Online-Plattform StudiVZ:

Vor „gravierenden Datenschutzmängeln und sexistische Belästigungen“ auf der Online-Plattform warnt der AStA der Freien Universität Berlin. Frauenreferentin Lisa Müller wird konkreter: „Wir raten von einer Nutzung des StudiVZ ab. Studierenden die über Accounts verfügen, empfehlen wir, diese zu kündigen.“ Auch die Studentenvertretung der Humboldt-Universität hat eine Warnung vor dem Portal veröffentlicht.

Weiterhin gibt es einen Bericht in der ZDF Nachrichtensendung heute.de: Stalker im Studentennetz

Mittlerweile warnen einige Studentenvertretungen ihre Kommilitonen davor, StudiVZ zu nutzen. „Wegen der gravierenden Datenschutzmängel und sexistischer Vorfälle raten wir von einer Nutzung des StudiZV ab“, heißt es etwa in einer Erklärung des Allgemeinen Studierendenausschusses der Freien Universität Berlin. „Studierenden, die über Accounts verfügen, empfehlen wir, diese zu kündigen. Hierbei sollten sie unbedingt darauf bestehen, dass ihre Daten komplett gelöscht werden.“

Berliner Zeitung Online vom 05.12.2006: Schon wieder Fehler? Ja, leider!
Die beliebte Studentenseite StudiVZ hat Probleme

So warnen die Studentenvertretungen der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin derzeit sogar vor StudiVZ. Es gebe gravierende Datenschutzmängel und sogar Fälle sexueller Belästigung durch eine größere Gruppe von Männern auf der Online-Plattform, heißt es.

Ergänzung 06.12.2006 die tageszeitung vom 06.12.2006:

Vor „Sexismus, entgleister Rhetorik und gravierenden Datenschutzmängeln“ bei StudiVZ warnen etwa die Studierendenvertretungen von Humboldt- und Freier Uni in Berlin. Sie empfehlen ihren KommilitonInnen nicht etwa zu fusionieren, sondern dem Netzwerk grundsätzlich fernzubleiben.

Diesen Rat gibt es auch aus der Blogger-Szene.

Ergänzung 07.12.2006 Frankfurter Rundschau 07.12.2006

Nachdem inzwischen auch die ASten der Berliner Humboldt-Universität und der Freien Universität zu Berlin vor „gravierenden Datenschutzmängeln und sexistischen Belästigungen“ warnen, bleibt abzuwarten, wie lange die deutschen Studierenden ihrer Lieblingsplattform noch die Treue halten werden.

Zur Pressemitteilung des AStA FU und zur Warnung des ReferentInnenrates.