Tag-Archiv für 'studium'

Droht die Studienreform zu scheitern?

Die Projektgruppe Studierbarkeit veröffentlicht die Ergebnisse ihrer repräsentativen Umfrage an der Humboldt-Universität zu Berlin aus dem Sommersemester 2006. Diese zeigen auf, dass und woran die Studienreform zu scheitern droht.

Die Reform führt nicht zu „mehr Kompatibilität“, zu keinem „Mobilitätsgewinn“ und auch nicht zu einem „flexiblen, zeitnahen und transparenten Studium“, wie in den Bologna-Zielen formuliert. Exemplarisch zeigen die folgenden drei Punkte die Mängel der Studiereform.

Studentinnen und Studenten sind mit der Beratung und Betreuung überwiegend unzufrieden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Studierende vor allem durch viele zusätzliche Kleinstarbeiten, wie Protokolle und Hausaufgaben. Für die Lehrenden steigt durch die Kontrolle dieser der administrative Arbeitsaufwand. Teilnahmebeschränkungen und vorgegebene Studienverlaufspläne verhindern ein flexibles und vielseitiges Studium. Das Bologna-Ziel eines besseren Betreuungsverhältnisses wird verfehlt.
Betreuungs- und Beratungsangebote müssen ausgebaut, der administrative Arbeitsaufwand muss gesenkt werden.

Die Universität muss den Studierenden Perspektiven aufzeigen. Dazu bedarf es allgemein annerkannter Abschlüsse. Die Studierenden sehen den Bachelor-Abschluss hingegen nicht als berufsqualifizierend an. Studierende in den auslaufenden Studiengängen sehen ihren Abschluss gefährdet, da keine ausreichenden Angebote mehr vorhanden sind. Die Universität muss ihre eigenen Bachelor-Abschlüsse anerkennen und alle AbsolventInnen zum Master zulassen. In den auslaufenden Studiengängen müssen genügend Lehr- und Prüfungskapazitäten bereit gestellt werden.

Nur die wenigsten Studierenden können sich ausschließlich dem Studium widmen. Über zwei Drittel der Studierenden sind auf Erwerbsarbeit angewiesen. Mehrfachbelastung werden im Studienalltag nicht berücksichtigt. Wer mehr als nur sein Studium zu meistern hat, hat Pech gehabt. Kinder, chronische Krankheiten oder Erwerbstätigkeit gehören nicht zum Profil einer/s Studierenden.
Bessere Teilzeitregelungen sind daher unabdingbar.

Die vollständigen und ausführlichen Ergebnisse der Studie werden auf eine Pressekonferenz am 14.05.07 um 12 Uhr im Raum 3092, unter den Linden 6 von der Projektgruppe vorgestellt. Kolja Fuchslocher, Mitglied der Projektgruppe Studierbarkeit, dazu: „Wir hoffen, dass unser Engagement dazu beiträgt, die Studiensituation für alle nachhaltig zu verbessern.“

mehr Informationen und erste Pressereaktionen unter: www.studierbarkeit.de

Eine von der Freien Universität Berlin durch geführte Befragung der Bachelorstudierenden kam im Sommersemester 2006 zu ähnlichen Ergebnissen.

Was die Unzufriedenheit mit dem Bachelorstudium betrifft, werden vor allem folgende Faktoren moniert: ein subjektiv als zu hoch empfundener Arbeitsaufwand, die Prüfungskumulation zum Ende der Vorlesungszeit (Gefühl der Überforderung) in Zusammenhang mit der mangelnden Transparenz der Studienanforderungen, eine als problematisch empfundenen Studienorganisation, fehlende bzw. widersprüchliche Informationen sowie Defizite in der Betreuung und Beratung. Hinzu kommen für die Bachelorstudierenden der Leistungsdruck aufgrund des zum Zeitpunkt der Befragung ungeklärten Zugangs zum Masterstudium und die ungewisse Berufsperspektive.

Weitere Ergebnisse dieser Studie sind im Endbericht der Bachelorbefragung zusammengefasst.

Große Semesterauftakt-Party am Donnerstag!

Zur vielleicht größten Semesterauftakt-Party laden die Fachschaftsinis Politik- und Sozialwissenschaft und die FSI Geschichte ein. Schon diesen Donnerstag, unbedingt vormerken.

Do, 02.11. | 22.00 Uhr
Festsaal Kreuzberg, Skalitzer Str. 130, U-Bahn Kottbusser Tor

Semesterauftakt-Party (Fachschaftsinitiativen Politik- und Sozialwissenschaft)

FSI OSI (Politik), FSI PuK (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft), FSI
IfS (Soziologie), FSI Geschichte und FSI Ethnologie laden zur großen
Semesterauftakt-Party ein. Auch diesmal wieder mit Cocktails und Volxküche.

Master und Marktlogik

taz Berlin lokal vom 18.10.2006, S. 23, 34 Z. (TAZ-Bericht)

BACHELOR & MASTER

1999 verabschiedeten 31 europäische BildungsministerInnen die „Bologna-Erklärung“. Sie hat die „Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulsystems“ zum Ziel – durch die einheitlichen Abschlüsse Bachelor und Master. Der Bachelor (BA) ist vergleichbar mit dem alten Vordiplom, gilt nun aber als vollwertiger Studienabschluss. Der Master (MA) – vergleichbar mit dem Diplom – soll ausgewählten Studierenden die akademische Laufbahn ermöglichen. Auch der Studienablauf wird vereinheitlicht. Es wird in Unterrichtsbausteine, die Module, aufgeteilt. Jedes endet mit einer Prüfung. Alle Noten und Praktika werden im Zeugnis aufgelistet, um die „arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen der AbsolventInnen zu fördern“, heißt es in der Bologna-Erklärung. Seit 2001 werden die Studiengänge in Berlin umgestellt. Der AStA der FU spricht vom „Umbau der Hochschulen nach kapitalistischer Marktlogik“ und kritisiert die „Entwissenschaftlichung des Studiums“.

Die taz bezieht sich hierbei auf den Artikel „Bologna und der Bachelor“ aus dem AStA-Info Nr. 3 mit folgendem Fazit:

  • Man wirbt mit Flexibilität, effizienter Ausbildung und Eigenverantwortung (beim Zusammenstellen der Module!, d.h. im ersten Jahr keine Auswahl, im zweiten Jahr schließlich ein etwas größere Auswahl), während man gleichzeitig das Studium entwertet und entwissenschaftlicht.
  • Die internationale Wettbewerbsfähigkeit (bzw. Internationalisierung) nutzt man dabei als Deckmantel, um die Hochschulen nach kapitalistischer Marktlogik umzubauen.
  • Mit gezielter Desinformation versucht man einerseits, uns das BA/MA schmackhaft zu machen. Alle Artikel (Analysen, Aufsätze, Konferenzen) und Bücher, die sich mit dem angloamerikanischen System BA/MA auseinandersetzen, sind auffällig unkritisch und einseitig.
  • Mit gezielter Nicht-Information versucht die Politik andererseits das BA/MA an den Hochschulen über die Köpfe der Studierenden und Universitäten hinweg einzuführen. Die Beschlüsse auf europäischer Ebene werden erst jetzt an den Universitäten durchgesetzt, nachdem auf den höheren Ebenen schon längst die Grundsatzentscheidungen ohne Mitwirkung von Studierenden und Lehrenden getroffen wurden. Die Bologna-Erklärung verpflichtete sich zwar ausdrücklich, die Autonomie der Universitäten zu respektieren. Faktisch jedoch wird den Betroffenen das BA/MA System zwangsweise aufgedrückt.