Tag-Archiv für 'studienreform'

Bologna schafft Wahlfreiheit in Berlin ab

Seit der Bologna-Studienreform ist es nicht mehr möglich, das Zweitfach an einer anderen Berliner Hochschule zu studieren. Eine Studentin will gegen diese rechtswidrige Einschränkung klagen.

Keine Anrechnung von Studienleistungen

Natalie W. studiert Sozial- und Kulturanthropologie an der Freien Universität (FU) Berlin. Sie würde als Nebenfach gerne Afrikawissenschaften wählen. Da es ein solches Institut an der FU nicht gibt, versucht sie es an der HU und wird mit der schlichten Begründung abgelehnt, das ginge nicht. Selbst die Anrechnung eines Sprachkurses der Afrikawissenschaften in ihrem Kernfach würde von der FU-Verwaltung geblockt. Nun will sie klagen. Sie ist nicht die Einzige: Eine Studentin, die gerne ihr bereits in Potsdam begonnenes Philosophie-Studium dort abschließen wollte, musste wegen ihres Zweitfachs Gender Studies auch mit ihrem Kernfach an die Humboldt-Universität wechseln. Dort muss sie nun den vorgegebenen Schwerpunkt Logik nachholen, obwohl sie ihr Studium in Potsdam schon fast abgeschlossen hat und dort ihren Wunschschwerpunkt Ethik studieren könnte. Ihre Bemühungen um eine Ausnahmeregelung wurden abgelehnt. Die Verwaltung unterstellte ihr sogar, aus reiner Faulheit das Studium splitten zu wollen.

Bologna-Ziele verfehlt

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Droht die Studienreform zu scheitern?

Die Projektgruppe Studierbarkeit veröffentlicht die Ergebnisse ihrer repräsentativen Umfrage an der Humboldt-Universität zu Berlin aus dem Sommersemester 2006. Diese zeigen auf, dass und woran die Studienreform zu scheitern droht.

Die Reform führt nicht zu „mehr Kompatibilität“, zu keinem „Mobilitätsgewinn“ und auch nicht zu einem „flexiblen, zeitnahen und transparenten Studium“, wie in den Bologna-Zielen formuliert. Exemplarisch zeigen die folgenden drei Punkte die Mängel der Studiereform.

Studentinnen und Studenten sind mit der Beratung und Betreuung überwiegend unzufrieden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Studierende vor allem durch viele zusätzliche Kleinstarbeiten, wie Protokolle und Hausaufgaben. Für die Lehrenden steigt durch die Kontrolle dieser der administrative Arbeitsaufwand. Teilnahmebeschränkungen und vorgegebene Studienverlaufspläne verhindern ein flexibles und vielseitiges Studium. Das Bologna-Ziel eines besseren Betreuungsverhältnisses wird verfehlt.
Betreuungs- und Beratungsangebote müssen ausgebaut, der administrative Arbeitsaufwand muss gesenkt werden.

Die Universität muss den Studierenden Perspektiven aufzeigen. Dazu bedarf es allgemein annerkannter Abschlüsse. Die Studierenden sehen den Bachelor-Abschluss hingegen nicht als berufsqualifizierend an. Studierende in den auslaufenden Studiengängen sehen ihren Abschluss gefährdet, da keine ausreichenden Angebote mehr vorhanden sind. Die Universität muss ihre eigenen Bachelor-Abschlüsse anerkennen und alle AbsolventInnen zum Master zulassen. In den auslaufenden Studiengängen müssen genügend Lehr- und Prüfungskapazitäten bereit gestellt werden.

Nur die wenigsten Studierenden können sich ausschließlich dem Studium widmen. Über zwei Drittel der Studierenden sind auf Erwerbsarbeit angewiesen. Mehrfachbelastung werden im Studienalltag nicht berücksichtigt. Wer mehr als nur sein Studium zu meistern hat, hat Pech gehabt. Kinder, chronische Krankheiten oder Erwerbstätigkeit gehören nicht zum Profil einer/s Studierenden.
Bessere Teilzeitregelungen sind daher unabdingbar.

Die vollständigen und ausführlichen Ergebnisse der Studie werden auf eine Pressekonferenz am 14.05.07 um 12 Uhr im Raum 3092, unter den Linden 6 von der Projektgruppe vorgestellt. Kolja Fuchslocher, Mitglied der Projektgruppe Studierbarkeit, dazu: „Wir hoffen, dass unser Engagement dazu beiträgt, die Studiensituation für alle nachhaltig zu verbessern.“

mehr Informationen und erste Pressereaktionen unter: www.studierbarkeit.de

Eine von der Freien Universität Berlin durch geführte Befragung der Bachelorstudierenden kam im Sommersemester 2006 zu ähnlichen Ergebnissen.

Was die Unzufriedenheit mit dem Bachelorstudium betrifft, werden vor allem folgende Faktoren moniert: ein subjektiv als zu hoch empfundener Arbeitsaufwand, die Prüfungskumulation zum Ende der Vorlesungszeit (Gefühl der Überforderung) in Zusammenhang mit der mangelnden Transparenz der Studienanforderungen, eine als problematisch empfundenen Studienorganisation, fehlende bzw. widersprüchliche Informationen sowie Defizite in der Betreuung und Beratung. Hinzu kommen für die Bachelorstudierenden der Leistungsdruck aufgrund des zum Zeitpunkt der Befragung ungeklärten Zugangs zum Masterstudium und die ungewisse Berufsperspektive.

Weitere Ergebnisse dieser Studie sind im Endbericht der Bachelorbefragung zusammengefasst.