Tag-Archiv für 'master'

Tagesspiegel: Die Master-Frage

Viele Studierende in Berlin befürchten, sie könnten nach dem Bachelor nicht weiterstudieren. Aus dem Tagespiegel vom 09.01.2008:

„Die Unis stellen die Situation positiver dar, als sie ist“, sagt Claudia Wrobel vom Asta der FU. In diesem Jahr hätten nur wenige Bachelorstudenten ihren Abschluss gemacht, weil das modularisierte Studium „schlichtweg nicht in sechs Semester zu schaffen“ sei. Zudem dürften viele Absolventen ein Praktikum oder einen Auslandsaufenthalt einschieben, bevor sie den Master beginnen. Noch ein weiterer Faktor werde in den Kalkulationen der Unis vernachlässigt, kritisiert Wrobel. Absolventen mit Magister- oder Diplomabschluss könnten sich bald auch für einen Master bewerben, weil sie glaubten, dadurch für internationale Arbeitgeber besser qualifiziert zu sein. Vielleicht sei die Lage „momentan noch nicht akut“, sagt Wrobel. Im nächsten Jahr aber müsse mit einem „Stau“ gerechnet werden.

Zum Bericht im Tagesspiegel.

1400 € Gebühren für den Master?

Auch in Berlin sind die Studiengebühren schleichend auf dem Vormarsch: Schon seit zehn Jahren gibt es die Verwaltungsgebühr von 50 Euro, und seit einigen Semestern auch die ersten gebührenpflichtigen weiterbildenden Masterstudiengänge an der FU. Bewegten sich die Gebühren für derartige Angebote bisher überwiegend um die bekannte 500-Euro Marke, so wurden vor kurzem die Mitglieder des Kuratoriums aufgefordert, einer Gebührensatzung mit Kosten von 800 Euro für den internationalen LL.M. Studiengang am Fachbereich Jura und sage und schreibe 1400 Euro pro Semester (!) für den am FB Erziehungswissenschaft angesiedelten Studiengang „Kinderrechte“ zuzustimmen.

Es handelt sich im Falle des seit 1998 bestehenden LL.M. Studienganges zwar lediglich um die verwaltungstechnische Umstellung von einer Entgeldordnung auf eine Gebührenordnung – also ohne Gebührenerhöhung. Der Master in Sachen Kinderrecht ist jedoch eine wirkliche Innovation in der Preisgestaltung. Er dürfte zukünftig wohl der teuerste Master an der FU sein und die Richtung weisen, in die wir uns bewegen werden, sollten die Studiengebührenbeführworter auch in Berlin ihre Pläne durchsetzen

Beide Satzungen sollen noch Anfang September beschlossen werden, damit das Kassieren der Gebühren zum Semesterbeginn im Oktober auch seine Ordnung hat. Eine richtige Kuratoriumssitzung fand nicht statt, lediglich ein schriftliches Umlaufverfahren wurde in Gang gesetzt um Stellungnahmen und Stimmen einzusammeln.

Der AStA, zwar ohne Stimmrecht aber doch mit Antragsrecht im Kuratorium, äußerte sich ebenfalls schriftlich zur Sache. Er kritisierte in einer Stellungnahme die exporbitante Höhe der Gebühren und kritisierte geplante Sozialklauseln als unzureichend:

Aus unserer Beratungspraxis ist uns bekannt, dass derartige Beträge für eine große Zahl von Studierenden kaum aufzubringen sind, insbesondere wenn man die regulären Rückmelde- und Semestergebühren noch zusätzlich berücksichtigt. Geplante Sozialsätze die mit 5% oder auch 20% Einnahmeverlusten kalkuliert sind, werden nicht in der Lage sein, die sozial selektive Wirkung derartiger Studiengebühren aufzufangen. Zudem ist das Vergabeverfahren für derartige Ermäßigungen völlig intransparent.

Aber auch ein weiteres Detail, nämlich die Finanzierungspläne, bei der die Studierenden die Gesamtlast der Kosten des Studienangebots tragen, wurde vom AStA grundsätzlich kritisiert:

Zudem ist zu befürchten, dass Gebühren in dieser Höhe einen ersten Schritt in eine nach oben offene Gebührenspirale darstellen. Sollte das bei diesen Studiengängen angewandte Prinzip der Kostendeckung jemals allgemeines Prinzip im Bildungswesen werden, so verkäme die Hochschulbildung insgesamt zum reinen Klassenprivileg.

In den neuen Masterstudiengängen werden nämlich alle anfallenden Kosten von den Studierenden getragen, lediglich Infrastruktur wie Räume, Bibliotheken etc. tauchen nicht in der Bilanz auf und werden von der FU gestellt. Würde man auch diese in die Kalkulation einbeziehen, so wären die tatsächlichen Kosten der Studiengänge wohl noch um ein Vielfaches höher. Es ist wahrscheinlich, dass diese höheren Kosten irgendwann auch bei den Gebühren tatsächlich auftauchen – sobald sich in den Köpfen der Studierenden nämlich einmal durchgesetzt hat, dass Bildung eben kein Grundrecht, sondern eine kostenpflichtige Ware ist. Wenn dann die Gebührenform an sich allgemein verankert ist, sind daher massive Erhöhungen der individuellen Beiträge und weitere Kürzungen der staatlichen Leistungen für das Bildungssystem zu befürchten – alle bisherigen Beispiele von Gebühreneinführungen in anderen Staaten bestätigen dies. Um so notwendiger erscheint daher ein konsequentes Vorgehen gegen die auch in Berlin geplante Einführung von allgemeinen Studiengebühren.

Trotz Protesten der Studierendenvertretung ist in diesem Fall jedoch davon auszugehen, dass das Beschlußverfahren für die Gebührensatzungen termingerecht abgeschlossen wird und die Beiträge im Oktober fällig werden. Denn es gibt außerhalb der Gruppe der Studierenden kaum ernsthafte Gegner von Präsident Lenzens Privatisierungspolitik, insbesondere die Professorenschaft folgte bisher stets ohne erkennbaren Widerstand den Plänen des Präsidiums. Bei allgemeinen Studiengebühren hingegen sieht es anders aus – diese konnten schon 2003/2004 in Berlin durch einen Streik verhindert werden.

Offene und demokratische Hochschulen – am OSI nicht erwünscht

Die Initiative “Für Solidarität und freie Bildung“ führt zur Zeit in Berlin ein Hochschul-Volxsbegehren zu studentischen Kernforderungen durch. Das Volxsbegehren “für offene und demokratische Hochschulen“ setzt sich für Viertelparität in universitären Gremien, für den das gebührenfreien Studium und für einen Masterstudienplatz für alle Berliner BA- AbsolventInnen ein. Das Begehren wird unter anderem von der LandesAstenKonferenz sowie dem AStA FU unterstützt.

Auf eine Anfrage im Dekannat des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften wurde es untersagt in den Räumlichkeiten des Fachbereichs Unterschriften für das Volxsbegehren zu sammeln. Als Begründung dient wörtlich:

Da das Dekanat ein Volksbegehren nicht als eine universitäre Angelegenheit ansieht, wurde Ihr Antrag auf Durchführung des Volksbegehrens in den Räumlichkeiten des Fachbereichs abgelehnt.

Der AStA FU verurteilt diese Haltung des Dekanats und unterstützt die OrganisiatorInnen des Begehrens in ihrer Einstellung, sich von solchen unsinnigen Entscheidungen nicht beeinflussen zu lassen. Natürlich wird auch in den Räumen des Fachbereiches Politik- und Sozialwissenschaften in dieser Woche begonnen, Unterschriften zu sammeln.

Bologna und der Bachelor

„Bachelor- und Masterstudiengänge sind in der Regel gut durchgeplant.“ Wenn beim Lesen dieser Aussage ein Fragezeichen in Deinem Kopf entsteht und Du überlegst, ob Dein Studiengang nur eine Ausnahme von der Regel darstellt, dann bist Du nicht der/die Einzige. Die unüberlegte und überhastete „Bildungsreform“ lässt unzählige Studierende mit nicht tragbaren Studienbedingungen, Fehlinformationen und widersprüchlichen Regelungen allein.

Diese in einem AStA Info Artikel geäußerte Feststellung wird durch eine jetzt veröffentlichte Studie empirisch belegt. Die Tageszeitung berichtet heute über die Studie „Studierbarkeit an der Humboldt Universität“ und die darin festgestellten Auswirkungen des Bologna-Prozesses.

Deutscher Bachelor ist kein Masterstück

Laut einer gestern in Berlin veröffentlichten Studie sind Studierende mit der Umsetzung des Bologna-Prozesses weitgehend unzufrieden, häufig sogar verängstigt. Dieser Prozess wurde 1999 von den europäischen Bildungsministern in Gang gesetzt mit dem Ziel, die europäischen Hochschulsysteme anzugleichen. Dabei werden auch die deutschen Magister und Diplome flächendeckend abgeschafft und durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt. Mit der 320-seitigen Studierbarkeits-Umfrage, für die 2.100 Studierende an der Berliner HU befragt wurden, legten erstmals Studierende einen umfassenden Lagebericht vor.

Die Ergebnisse der Studie sind nun auch online nachzulesen.

Pressemeitteilung des AStA FU: Schlechte Betreuung, verschultes Studium – Probleme nicht nur an der Humboldt-Uni!

Out Of Dahlem und AStA-Info Artikel zum Thema:

15. Dezember 2002: Inhalt und Auswirkungen der neuen Ba./Ma.-Studiengänge

15. Dezember 2002: Mach keinen Mist!

15. April 2003: Bologna und der Bachelor

17. Januar 2005: Master Blaster

Auswirkungen gestufter Studiengänge

Was zu vermuten war, ist nun auch empirisch belegt: BA/MA-Studiengänge haben einen negativen Gender-Impact, sie wirken sich demnach negativ auf die Gleichstellung der Geschlechter an der Universität aus. Angesichts der bisher doch eher jungen Entwickung der BA/MA-Umstellung sollte man mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein, aber folgender Artikel stellt die potentiellen Gefahren ganz gut dar.

So hatten sich das die Planer der gestuften Studiengänge nicht vorgestellt: Bachelor und Master sollten doch auch die Geschlechtergerechtigkeit erhöhen. Eine vom NRW-Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie liefert jedoch ganz andere Ergebnisse: Frauen beginnen nach Abschluss eines Bachelor-Studiums seltener als ihre männliche Kommilitonen ein Master-Studium.

Zum Artikel in RUBENS – Zeitschrift der Ruhr-Universität : Aktuelle Studie belegt sinkenden Frauenanteil in der Masterphase