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Ein Denkmal blüht auf

Frühling an der FU? Hinter dem Henry-Ford-Bau sieht es ein wenig danach aus, denn zumindest das Dieter Lenzens „Freiheitsdenkmal“ blühte Tagen unerwartet auf: Bunte Plakate und Zitate aus verschiedenen Quellen zogen die Blicke der BetrachterInnen auf sich und informierten ein wenig über den doch recht fragwürdigen Kontext der Denkmalerstellung.

Laut einem Bericht auf den Bildungsseiten des unabhängigen Medienportals „Indymedia“ wurden die Plakate vorgestern angebracht und zwar recht frech tagsüber in Form eines „Happenings“. Die Originale sind leider schon wieder abgekratzt, offenbar hat die FU keine Lust auf studentische Randglossen zu ihrem fragwürdigen Freiheitsklotz. Aber zumindest einige Fotos der Aktion sind online überliefert, eines davon haben wir euch mal rüberkopiert :

Perspektiven

In die Kritik geraten war das Denkmal aus einem ganzen Strauß von Gründen: einerseits wegen des undemokratischen Zustandekommens, zweitens wegen der völlig vagen Widmung bei gleichzeitig platt-offensiver Präsentation des Sponsors, drittens wegen der Herkunftsgeschichte als abstrakte Bankenrepräsentationskunst, viertens wegen der ambivalenten Natur der geehrten „Freiheitskämpfer“: viele von diesen handelten im Auftrag von Geheimdiensten, mindestens einer war ehemaliges Mitglied der NSDAP.

Obwohl verschiedene Medien auch deutschlandweit berichteten und eine Podiumsdiskussion des AStA FU dazu stattfand (bei der das Präsidium wie üblich seine Teilnahme verweigerte) war es in den letzten Wochen doch etwas ruhig um die Sache geworden. Doch wenn man indymedia glaubt und gleich 25 Studierende am hellichten Tag „mit Leitern, Kleistereimer und Pinsel“ dem Denkmal ein paar Farbtupfer verpassten, dann kann man davon ausgehen, dass die Studierenden der FU durchaus ihre eigene Meinung zur Geschichtspolitik an der FU haben.

Umstrittener Standort

Ein Bericht im Deutschlandfunk Campus & Karriere am 12.12.2007 greift die Kritik des AStA FU am Secondhand-Freiheitsdenkmal auf:

Späte Ehrung an der Freien Universität Berlin
Von Otto Langels

Seit Kurzem steht auf dem Campus der Freien Universität Berlin eine riesige Bronzeskulptur. Sie erinnert an Studenten, die für die Freiheit ihr Leben verloren haben. Gemeint sind damit zehn junge Männer, die Anfang der 50er Jahre in der DDR verhaftet, von sowjetischen Militärtribunalen zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet wurden. Doch die späte Ehrung findet nicht nur Zustimmung.

Zum Bericht auf dradio.de

Secondhand Freiheitsdenkmal

Nachdem schon in der Berliner Zeitung am 07.09.2007 angedeutet wurde, das Kunstwerk des Künstlers Volker Bartsch wäre eher zufällig an der Freien Universität Berlin gelandet,

Aus Kunstkreisen ist zu hören, man habe längere Zeit nach einem Standort für das bereits fertige Kunstwerk gesucht, und die FU sei keineswegs die erste Wahl gewesen. Das klingt, als stehe es jetzt nur „zufällig“ für die Ehrung der ermordeten Studenten.

wurde diese Vermutung inzwischen von mehreren Seiten bestätigt. So empört sich der Künstler Peter Paul Potthans in einem Leserbrief an die Berliner Zeitung vom 15.09.2007 über die „freundschaftlichen Beziehungen innerhalb und außerhalb des Rotary Clubs“ welche zur Aufstellung des Kunstwerkes an der Freien Universität Berlin geführt hätten.

Weil sich für die Skulptur von Volker Bartsch im Berliner Stadtzentrum kein Platz fand, wird sie kurzerhand zum Mahnmal erklärt (Seite 1: „In Moskau erschossen“ von Torsten Harmsen, 7. September). Die offene Form lässt halt viele, beliebige Lesarten zu. Der Künstler beklagt sich nicht, Hauptsache er wird im öffentlichen Raum platziert! Und die Freie Universität hat demonstrativ und tonnenschwer ihrer Geschichte genüge getan. Dass sie als öffentliche Einrichtung repräsentativen Geschenken und den damit verbundenen freundschaftlichen Beziehungen innerhalb und außerhalb des Rotary Clubs den Vorzug gibt, enttäuscht sehr. Gegenüber ihrer Vergangenheit und ihrem öffentlichen Auftrag wäre ein künstlerischer Wettbewerb und ein damit verbundener öffentlicher Diskurs über die Geschichte der Universität und die vergessenen zehn toten Studenten der bessere Weg gewesen.

In der Podiumsdiskussion der FSI Geschichte und des AStA FU Berlin „Die Freiheit die ich meine – zur Erinnerungspolitik an der FU Berlin“ ging Martin Schönfeld vom „Büro für Kunst im öffentlichen Raum“ nochmal ausführlich auf die merkwürdige Wandlung des Kunstwerkes zum Denkmal im Rahmen der Standortsuche ein:

Schönfeld bestätigte noch einmal, dass die Skulptur keineswegs als Denkmal entstanden ist. Vielmehr sei sie vom Bankhaus Oppenheim für den südlichen Vorplatz des neuen Hauptbahnhofes in Auftrag gegeben worden. Eine Aufstellung dort sei jedoch an der zuständigen Senatskommission gescheitert, die ihr Veto eingelegt habe. Die Kommission, in der er auch mitarbeitete, habe stattdessen verschiedene Brachen und Grünflächen am Stadtrand als Aufstellungsort empfohlen. Insbesondere diese Enthüllung löste im Publikum einiges an Heiterkeit aus. Nur weil die Gegenvorschläge als Repräsentationsorte für das Bankhaus nicht attraktiv erschienen, sei die Skulptur quasi als „drop-art“ an der FU gelandet. Man solle sie daher als Kunstwerk in der Tradition des Post-Kubismus nehmen, ein Denkmal sei das Werk jedoch keinesfalls.

Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung findet sich auf den Seiten des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der FU.

In der Selbstdarstellung der Freien Universität zur Frage der Widmung des Kunstwerkes wird dieses Paradox kurzerhand zu einem kraftvollen DENNOCH uminterpretiert.

Zwischen den tragischen geschichtlichen Ereignissen und der zukunftsorientierten Vision des Kunstwerks besteht eine Spannung, die auf den ersten Blick paradox erscheint: der gewaltsame Tod und die Perspektive eines jungen Lebens. Diese Spannung findet ihre Auflösung in einem kraftvollen DENNOCH, das seinen Ausdruck sowohl in der mutigen Tat der Gründungsstudenten findet als auch in der zukunftsgerichteten Dimensionalität der Skulptur. Die Freie Universität Berlin hat stets für eines gestanden: Zukunft von Anfang an.

Dieser Umgang mit der Geschichte der Freien Universität ist in vielerlei Hinsicht völlig unakzeptabel, sowohl ein öffentlicher Wettbewerb und ein damit verbundener Diskurs wäre wünschenswert gewesen, als auch eine Beteiligung der Studierenden mit der Perspektive einer eingehenden Diskussion über eine studentische Erinnerungskultur an der FU Berlin.