Tag-Archiv für 'freiheit'

Umstrittener Standort

Ein Bericht im Deutschlandfunk Campus & Karriere am 12.12.2007 greift die Kritik des AStA FU am Secondhand-Freiheitsdenkmal auf:

Späte Ehrung an der Freien Universität Berlin
Von Otto Langels

Seit Kurzem steht auf dem Campus der Freien Universität Berlin eine riesige Bronzeskulptur. Sie erinnert an Studenten, die für die Freiheit ihr Leben verloren haben. Gemeint sind damit zehn junge Männer, die Anfang der 50er Jahre in der DDR verhaftet, von sowjetischen Militärtribunalen zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet wurden. Doch die späte Ehrung findet nicht nur Zustimmung.

Zum Bericht auf dradio.de

Secondhand Freiheitsdenkmal

Nachdem schon in der Berliner Zeitung am 07.09.2007 angedeutet wurde, das Kunstwerk des Künstlers Volker Bartsch wäre eher zufällig an der Freien Universität Berlin gelandet,

Aus Kunstkreisen ist zu hören, man habe längere Zeit nach einem Standort für das bereits fertige Kunstwerk gesucht, und die FU sei keineswegs die erste Wahl gewesen. Das klingt, als stehe es jetzt nur „zufällig“ für die Ehrung der ermordeten Studenten.

wurde diese Vermutung inzwischen von mehreren Seiten bestätigt. So empört sich der Künstler Peter Paul Potthans in einem Leserbrief an die Berliner Zeitung vom 15.09.2007 über die „freundschaftlichen Beziehungen innerhalb und außerhalb des Rotary Clubs“ welche zur Aufstellung des Kunstwerkes an der Freien Universität Berlin geführt hätten.

Weil sich für die Skulptur von Volker Bartsch im Berliner Stadtzentrum kein Platz fand, wird sie kurzerhand zum Mahnmal erklärt (Seite 1: „In Moskau erschossen“ von Torsten Harmsen, 7. September). Die offene Form lässt halt viele, beliebige Lesarten zu. Der Künstler beklagt sich nicht, Hauptsache er wird im öffentlichen Raum platziert! Und die Freie Universität hat demonstrativ und tonnenschwer ihrer Geschichte genüge getan. Dass sie als öffentliche Einrichtung repräsentativen Geschenken und den damit verbundenen freundschaftlichen Beziehungen innerhalb und außerhalb des Rotary Clubs den Vorzug gibt, enttäuscht sehr. Gegenüber ihrer Vergangenheit und ihrem öffentlichen Auftrag wäre ein künstlerischer Wettbewerb und ein damit verbundener öffentlicher Diskurs über die Geschichte der Universität und die vergessenen zehn toten Studenten der bessere Weg gewesen.

In der Podiumsdiskussion der FSI Geschichte und des AStA FU Berlin „Die Freiheit die ich meine – zur Erinnerungspolitik an der FU Berlin“ ging Martin Schönfeld vom „Büro für Kunst im öffentlichen Raum“ nochmal ausführlich auf die merkwürdige Wandlung des Kunstwerkes zum Denkmal im Rahmen der Standortsuche ein:

Schönfeld bestätigte noch einmal, dass die Skulptur keineswegs als Denkmal entstanden ist. Vielmehr sei sie vom Bankhaus Oppenheim für den südlichen Vorplatz des neuen Hauptbahnhofes in Auftrag gegeben worden. Eine Aufstellung dort sei jedoch an der zuständigen Senatskommission gescheitert, die ihr Veto eingelegt habe. Die Kommission, in der er auch mitarbeitete, habe stattdessen verschiedene Brachen und Grünflächen am Stadtrand als Aufstellungsort empfohlen. Insbesondere diese Enthüllung löste im Publikum einiges an Heiterkeit aus. Nur weil die Gegenvorschläge als Repräsentationsorte für das Bankhaus nicht attraktiv erschienen, sei die Skulptur quasi als „drop-art“ an der FU gelandet. Man solle sie daher als Kunstwerk in der Tradition des Post-Kubismus nehmen, ein Denkmal sei das Werk jedoch keinesfalls.

Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung findet sich auf den Seiten des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der FU.

In der Selbstdarstellung der Freien Universität zur Frage der Widmung des Kunstwerkes wird dieses Paradox kurzerhand zu einem kraftvollen DENNOCH uminterpretiert.

Zwischen den tragischen geschichtlichen Ereignissen und der zukunftsorientierten Vision des Kunstwerks besteht eine Spannung, die auf den ersten Blick paradox erscheint: der gewaltsame Tod und die Perspektive eines jungen Lebens. Diese Spannung findet ihre Auflösung in einem kraftvollen DENNOCH, das seinen Ausdruck sowohl in der mutigen Tat der Gründungsstudenten findet als auch in der zukunftsgerichteten Dimensionalität der Skulptur. Die Freie Universität Berlin hat stets für eines gestanden: Zukunft von Anfang an.

Dieser Umgang mit der Geschichte der Freien Universität ist in vielerlei Hinsicht völlig unakzeptabel, sowohl ein öffentlicher Wettbewerb und ein damit verbundener Diskurs wäre wünschenswert gewesen, als auch eine Beteiligung der Studierenden mit der Perspektive einer eingehenden Diskussion über eine studentische Erinnerungskultur an der FU Berlin.

Die Freiheit, die ich meine? Diskussion zur FU-Gedenkpolitik

Di, 06.11.2007 | 18.00 Uhr
Henry-Ford II. -Bau, Hörsaal D (Garystraße 35)

Veranstaltet von der FSI Geschichte und dem AStA der Freien Universität Berlin

Am 06.09.2007 wurde hinter dem Henry-Ford Bau ein Freiheitsdenkmal enthüllt. Doch Freiheit für wen? FU-Präsident Lenzen widmete es zehn Anfang der 50er Jahre in der Sowjetunion ermordeten FU-Studierenden. Deren Namen tauchen jedoch am Denkmal nicht auf – wohl aber der Name des Sponsors: Bankhaus Oppenheimer.

Zudem gibt es die Vermutung, einige der zehn Studierenden wären Mitglieder der rechten „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ gewesen, der in der DDR Sabotageakte bis hin zu Sprengstoffattentaten zur Last gelegt wurden. Wem gilt nun das Denkmal? Freiheitskämpfern? Terroristen? Dem Bankhaus Oppenheimer? Wir fragen nach!

Es diskutieren:

Prof. Wolfgang Wippermann (Historiker und Autor)

Ralf Hoffrogge (FSI Geschichte, AStA FU)

FU-Präsident Prof. Dieter Lenzen (angefragt)

Moderation: Kerstin Bischl (reflect!, FSI Geschichte)

Hintergrundinformationen bei der FSI Geschichte an der FU Berlin:
Gedenken ohne Kontext – Geschichte an der FU

Freiheitskämpfer oder Terroristen? Ein “Denkmal” wirft Fragen auf.

Die tageszeitung berichtete am 20.10.2007 über die ersten Reaktionen des FU Präsidenten Dieter Lenzen zur Entscheidung der Exzellenz-Initiative:

Dennoch bemühte Lenzen sich, nicht allzu sehr aufzutrumpfen. Sein erster Gedanke, erklärte er, mit Stehkragen und schwarzem Jackett wie ein Priester gekleidet, hätte den Studenten gegolten, die bei der FU-Gründung ihr Leben ließen.

Zur Instrumentalisierung des Freiheits-Begriffs im Hochschulmarketing wurde bereits ein Freiheits-Preis vergeben und eine Freiheits-Rede angedroht. Inzwischen gibt es also auch das Freiheits-Denkmal an der „Freien“ (Alleinstellungsmerkmal!) Universität Berlin.

„F wie Freiheit“ und „U wie Unternehmertum“

Das an der Außenfassade der FU Rostlaube angebrachte Transparent mit der der Aufschrift „F wie Freiheit“ wurde am heutigen Mittwoch um den Zusatz „U wir Unternehmert…“ ergänzt. Auf der Homepage des Berliner Bündnis für Freie Bildung heißt es hierzu:

(..) Die Vollendung der Protestaktion wurde durch das Eingreifen eines Studierenden und eines Angestellten des Universitätswachschutzes verhindert. Beide gingen mit körperlicher Gewalt vor. Hielten die Person fest und alarmierten die Polizei. Der Betroffene wurde, da er keinen Ausweispapiere bei sich trug zur erkennungsdienstlichen Behandlung von der Polizei abgeführt.

Update vom 18. Juli Abends:
Das Transparent wurde inzwischen abgehängt. Ein Foto von Banner, welches nach der Aktion gemacht wurde gibts >hier< .

Sternstunden der Freiheit

Die Freie Universität Berlin verleiht am 16. Mai 2007 erstmalig den „Freiheitspreis der Freien Universität Berlin“ an den ehemaligen Staatspräsidenten der Republik Korea, Dr. Kim Dae-jung. Dieser Freiheitspreis ist der Öffenlichkeit noch nicht so recht bekannt, soll aber nach dem Willen des Präsidiums der Freien Universität Berlin schon bald in die oberste Liga der Freiheitspreise aufsteigen.

Der Preis zeichnet Personen von weltweiter Bedeutung aus, die sich in politischem, gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Kontext um Freiheit verdient gemacht haben. Der Freiheitspreis würdigt damit auf internationaler Ebene erstmals das Eintreten für einen der weltweit wichtigsten Werte und reiht sich ein in einen Kanon renommierter Preise.

Ob der Freiheitspreis „erstmals“ auf internationaler Ebene das Eintreten für Freiheit würdigt, sei dahingestellt. Er „reiht sich“ eher ein, denn schließlich vergeben auch andere Institutionen schon seit geraumer Zeit „Freiheitspreise“:

Freiheitspreis der Max Schmidheiny Stiftung
Für Persönlichkeiten und Institutionen, die sich in besonders herausragender Weise für die Erhaltung und Weiterentwicklung der freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung eingesetzt haben.
Preisträger u.a.:
Muhammad Yunus
Kofi Annan

Konrad-Adenauer-Freiheitspreis
Für ein ›Lebenswerk aus vorwiegend konservativer und christlicher Sicht‹
Preisträger:
Alfred Dregger
Helmut Kohl
Wolfgang Schäuble

Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung
Für Persönlichkeiten, die Impulse für die Entwicklung einer liberalen Bürgergesellschaft gegeben haben und so zur Fortentwicklung freiheitlicher Ziele und Werte in Deutschland und in Europa beitragen
Preisträger:
Hans-Dietrich Genscher

Memminger Freiheitspreis
Für bedeutende Personen, welche für Freiheit stehen
Preisträger u.a.:
Wolfgang Thierse
Gyula Horn

Mit dieser großen Auswahl an potentiellen Preisträgern/Preisträgerinnen dürfte es dem Präsidium der FU nicht schwer fallen, den oder die nächsten Preisträger/innen auszuloben und damit das Profil der Freien Universität Berlin weiter zu entwickeln. Mit einem Friedensnobelpreisträger als Preisträger hat die FU-Leitung ein treffendes Gespür für Prominenz gezeigt, um nebenbei auf das Zentrum für Regionalstudien hinzuweisen,

das die herausragende geistes- und sozialwissenschaftliche Regionalkompetenz der Freien Universität bündelt.

Um der Frage nachzugehen, warum die Freie Universität plötzlich einen „Freiheitspreis“ verleiht, sei auf den Vortrag des FU-Präsidenten Dieter Lenzen auf der Tagung zum Thema „Hochschulmarketing – Herausforderungen und Erfolgsfaktoren im Wettbewerb“ am 15. Januar 2007 verwiesen. Hochschulmarketing ist demnach Chefsache und benötigt eine Kernbotschaft, die mit dem Begriff „Freiheit – als Leitbild für Konzepte und Handlungen“ gefunden wurde. Als ergebnisorientierte Marketingmaßnahme wird hier der „Freiheitspreis“ an erster Stelle genannt. Gespannt dürfen wir daher noch auf die an zweiter Stelle genannte „Freiheitsrede“ sein, die sicherlich eine weitere Sternstunde des Hochschulmarketings darstellen wird.