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Ausscheiden der FU aus dem Elite-Wettbewerb

Die AStA-Presseerklärung vom 13. Oktober 2006 „AStA feiert Ausscheiden beim Elite Wettbewerb“ wurde in der Berichterstattung über den „Elite-Wettbewerb“ als wichtige Gegenstimme aufgenommen. Hier einige Beispiele der darauf folgenden Presseberichterstattung:

Telepolis

Unter diesen Umständen ist es vielleicht zwingend notwendig, dass der AStA der Freien Universität Berlin die Nicht-Nominierung der FU „mit Freude und Erleichterung“ zur Kenntnis nimmt und derzeit das Ausscheiden aus dem Elite-Wettbewerb „feiert“. Andernorts knallen schließlich auch die Sektkorken, und wenn die Chancengleichheit im deutschen Bildungswesen schon in keinem anderen Bereich mehr hergestellt werden kann, dann sollten die Studierenden hier die letzte Möglichkeit nutzen.

Frankfurter Rundschau

Dieser Tage haben die Studenten der ehrwürdigen Freien Universität Berlin kräftig gefeiert. In Bonn hatten gerade die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat bekannt gegeben, welche Hochschulen sich künftig Elite-Universitäten nennen dürfen. Die FU zählte nicht zu den Auserwählten. Der Allgemeine Studierendenausschuss der Freien Universität im Stadtteil Dahlem zeigte sich über diese Nachricht hocherfreut. In einer eilig verfassten Pressemitteilung schrieben die Studentenvertreter: „Der Asta der FU lehnt den Elitewettbewerb zwischen den Hochschulen aufgrund des dahinter stehenden elitären Gesellschaftsverständnisses und der zu fürchtenden Folgen für Studierende und Wissenschaft generell ab.“

Berliner Morgenpost
Die Welt

Heiß diskutiert wird unter den Studenten der Exzellenz-Wettbewerb. „Wir sind eher erleichtert, dass es mit der Elite-Uni bei der FU vorerst nicht geklappt hat“, sagt die Studentin. Durch die Schwerpunktsetzung, so fürchten die Studenten, könne es in anderen Fachbereichen zu Kürzungen kommen. Außerdem wollen die Studenten auf der ersten Vollversammlung am 7. November über das Thema Studiengebühren debattieren. „Wir glauben, dass der Senat die Studienkonten schon bald wieder auf die Tagesordnung setzen wird“, sagt die Sprecherin. Deshalb solle schon mal über mögliche Proteste beraten werden.

Junge Welt

Manchmal ist selbst Verlierern zum Feiern zumute. Nachdem am späten Freitag nachmittag die Entscheidung in der ersten Antragsrunde um Fördergelder zum »Ausbau universitärer Spitzenforschung« gefallen war, knallten beim Allgemeinen Studierendenausschuß (AStA) der Freien Universität (FU) Berlin die Sektkorken. Man nehme das »Ausscheiden der FU im Rahmen der Exzellenzinitiative mit Freude und Erleichterung zur Kenntnis«, hieß es in einem Pressestatement. Anders als die Humboldt- (HU) und die Technische Universität (TU) Berlin ist die FU beim Wettstreit um den Status einer »Eliteuniversität«, sprich um staatliche Fördermillionen, leer ausgegangen

die tageszeitung

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der FU nahm die Entscheidung mit „Freude und Erleichterung zur Kenntnis“. Elsa Koester, hochschulpolitische Referentin des Asta, sagte: „Das Wissenschaftsverständnis von FU-Präsident Dieter Lenzen basiert auf wirtschaftlicher Verwertungslogik. Das ist nicht nur sozial, sondern auch wissenschaftlich und gesellschaftlich gefährlich und inakzeptabel. Es ist gut, dass Lenzen mit diesem Konzept erfolglos geblieben ist.“

Telepolis

Studierendenverteter der Freien Universität Berlin haben das Ausscheiden ihrer Hochschule aus dem Elite-Wettbewerb gefeiert. Gibt es hier Widerstand?
Michael Hartmann: Bei den Studierendenprotesten der letzten Monate stand natürlich der Kampf gegen die Studiengebühren im Vordergrund und nicht das Thema Eliteuniversität. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen sowie Studiengebühren und der Aufspaltung der Hochschullandschaft in Elite und den großen Rest mehr als deutlich. Das wurde von Teilen der Studierenden auch thematisiert.

Sommerpause für alle!

In Berlin beginnt die vorlesungsfreie Zeit, auch „Semesterferien“ genannt. Vom 24.07.2006-13.10.2006 finden an der FU Berlin keine Vorlesungen statt. Auch die protestierenden hessischen Studierenden gehen in die Sommerpause.

Danach soll es weitergehen – noch vor der nächsten Lesung des Gesetzentwurfes im Landtag.
Auf den Widerstands-Sommer soll ein Widerstands-Herbst folgen: Spätestens Mitte September, wenn das Gesetz zu Studiengebühren nach der parlamentarischen Sommerpause erneut im Landtag diskutiert wird, wollen die Studenten wieder in Massen auf die Straße gehen.

Für die Berliner Studierenden und Studienanfänger/innen wird das Thema Studiengebühren im Herbst ebenfalls akut. Aus der Grundsatzerklärung des Berliner Bündnisses für Freie Bildung – Gegen Studiengebühren:

Spätestens nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2006 wird das Thema “Studiengebühren” auf der politischen Tagesordnung stehen. Nachdem das Bundesverfassungsgericht im Januar 2005 das bundesweite Verbot von allgemeinen Studiengebühren gekippt hat, ist die Einführung von Studiengebühren nun Ländersache. Inzwischen ist die Einführung von Studiengebühren in einigen Bundesländern bereits beschlossen. So drohen beispielsweise Studierenden in Hessen Gebühren in Höhe von bis zu 1500 Euro pro Semester. Angesichts der desolaten Haushaltslage in Berlin scheinen 140.000 potentielle GebührenzahlerInnen verlockend.

Studiengebühren sind jedoch keine Lösung, sie sind sozial ungerecht und verschärfen die ohnehin starke Ungerechtigkeit im Bildungssystem. Im Wintersemester wird es daher vielfältige Informationsveranstaltungen und Aktionen geben, wir halten euch dazu auf dem Laufenden!

„Wer wird Elite?“ Veranstaltung mit Prof. Hartmann

Di, 18.07. | 18.00 Uhr
Silberlaube, Hörsaal 1a

Bologna, Exzellenzinitiative und Studiengebühren – die „Neustrukturierung“ des deutschen Hochschulsystems schreitet mit großen Schritten voran. Begleitet von Forderungen nach Wettbewerbsfähigkeit des „Wissenschaftsstandortes Deutschland“ einerseits und nach einem einheitlichen europäischen Hochschulraum andererseits scheinen diese Umstrukturierungen klar auf ein gemeinsames Ziel hinzuführen: Die Schaffung eines großen Bildungsmarktes, auf dem die verschiedenen Hochschulen deutschland-, europa- und weltweit miteinander konkurrieren. Welche sozialen Folgeerscheinungen haben diese Reformen im Hinblick auf die herkunftsunabhängige Chancengleichheit in unserem – nach Pisa – ohnehin stark sozial selektierenden Bildungssystem? Inwiefern ist ein solches System überhaupt in der Lage dem eigenen Anspruch nach Ausbildung einer durch Leistungskriterien legitimierten Elite gerecht zu werden? Diese und weitere Fragen wollen wir an diesem Abend gemeinsam mit Euch und Michael Hartmann diskutieren.

Prof. Dr. Michael Hartmann, Soziologe und Elitenforscher an der TU Darmstadt, analysiert herkunftsbedingte Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem und dekonstruiert anhand eigener empirischer Studien den Mythos der Leistung als vorrangiges Kriterium zur Besetzung von Spitzenpositionen in der Gesellschaft.

Die Veranstaltung wird vom Politikwissenschaftlichen Seminar „Elitenrekrutierung im deutschen Hochschulsystem“ am Otto Suhr Institut, in Zusammenarbeit mit dem AStA FU Organisiert.