Als Reaktion auf das offensichtlich wissenschaftspolitische Manöver unter Leitung des FU-Professors Thomas Risse, die Schließung des kritischen Politikinstituts der Ben Gurion Universität zu empfehlen, empfiehlt der AStA FU die Schließung des Sonderforschungsbereich (SFB) 700, dessen Projektleiter Thomas Risse ist.
Ein vom israelischen Bildungsminister eingesetztes internationales Kommittee des Council for Higher Education unter Leitung des FU-Professors Thomas Risse fordert in einem Evaluationsbericht über das Politikinstitut der Ben Gurion Universität umfassende Änderungen in Forschung, Methodologie und Lehre und empfiehlt der Universität bei Nichtbefolgung die Schließung des Instituts. Hintergrund ist die Fokussierung des Instituts auf eine Verknüpfung von Wissenschaft und politischem Engagement. Der Bericht befürchtet unausgewogene Sichtweisen und weist die Lehrkräfte an, Meinungen als persönliche Standpunkte darzustellen und den Studierenden alternative Perspektiven anzubieten. Die Schwerpunktsetzung auf politischen Aktivismus drohe die Politikforschung als Wissenschaftsfeld zu unterminieren.
Der AStA FU kritisiert den Bericht scharf und schließt sich der Meinung des Kommittee-Mitglieds Galia Golan an: definieren zu wollen, was eine ausgewogene Sichtweise ist, widerspricht der Idee wissenschaftlicher Freiheit, indem es die vorherrschende Meinung zum Lehrstandard zementiert. Der AStA FU wertet den Bericht als unverschämten Angriff auf kritische Wissenschaft und ruft Herrn Risse auf, sich nicht zum Handlanger einer rechtsgerichteten Regierung bei einem politischen Manöver gegen ein unbequemes Forschungsinstitut zu machen. Die Akademische Freiheit ist auch für kritische, politische und eingreifende Wissenschaft zu unterstützen, auch wenn sich nicht alle Ziele und Aussagen des Instituts zu eigen gemacht werden.
Weiterhin fordert der AStA sofortige Korrekturen im von Risse geleiteten SFB 700 „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“: im Sinne friedenstiftender Wissenschaft muss sichergestellt werden, dass sich der SFB 700 nicht weiterhin der wissenschaftlichen Legitimierung von Kriegseinsätzen andient. Die wissenschaftlichen Praktiken des SFB 700, als „embedded scientists“ Bundeswehrsoldaten in afghanische Dörfer zu begleiten, um dort die Bevölkerung zu ihrer Meinung zur Bundeswehr zu befragen, erachtet der AStA FU als wissenschaftlich unredlich und methodisch verfehlt. Wissenschaft trägt politische Verantwortung und muss für die Folgen ihrer Ergebnisse einstehen, so fordert es unter anderem die antifaschistische Gedenktafel am politikwissenschaftlichen Institut der FU. Auch ist die von Risse orchestrierte Expansion des Bereichs „internationale Beziehungen“ am Institut für Politikwissenschaften und die damit einhergehende Verflachung und Vereinseitigung von Forschung und Lehre zu stoppen und zurückzuschrauben. Bei Nichtbefolgung empfiehlt der AStA die Schließung des SFB 700.
Allgemeiner Studierendenausschuss der FU
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