Beiträge von AStA FU

Bildungsstreik – Mensastreik! Solidaritätsaktion für Arbeitskampf beim Studentenwerk

Gemeinsam für gute Arbeits- und Bildungsbedingungen!

Heute, am 26.11.2009, bestreikten die ver.di-organisierten Beschäftigten des Studentenwerks Berlin für ihre Tarifforderungen die Mensa in der Silberlaube der Freien Universität in Berlin. Die Mensa wurde stundenlang geschlossen. Der AStA FU organisierte eine alternative Essensausgabe, um die Studentenwerksbeschäftigten zu unterstützen. Nicht nur während des Bildungsstreiks, in dem Studierende gegen die miserablen Studienbedingungen kämpfen, gilt es die Solidarität der unterschiedlichen Statusgruppen an den Hochschulen praktisch werden zu lassen!

Zur AStA FU Presseerklärung

Die tageszeitung schreibt:

In Berlin brodelt der Bildungsstreik. Asta und Ver.di kochen – und zwar für alle. Weil an der Freien Universität (FU) die Mensa-MitarbeiterInnen am Donnerstag in einen Warnstreik traten, blieben in der Mensa die Teller leer. Hungern musste dennoch niemand. Statt Mensa-Essen gab es „Volxküche“ in studentischer Eigenregie: Jeder isst und zahlt, so viel er will.

Am Morgen waren die Angestellten des Studentenwerks in einen Warnstreik getreten. Unterstützt von der Gewerkschaft Ver.di fordern sie höhere Löhne. Auch die Studierenden, die seit über zwei Wochen den Hörsaal 1a besetzen, solidarisierten sich mit den Streikenden und verlegten ihre Vollversammlung vom Hör- in den Speisesaal. Dem Aufruf folgten rund 850 Studierende.

Bericht im Ver.di Blog zum Warnstreik Studentenwerk:

Gegen 11 Uhr versammelten sich ca. 120 Beschäftigte aus vor dem Eingang der Mensen. Alle Bereiche des Studentenwerks waren vertreten!!! Ein Teil der KollegInnen der anderen Mensen (TU, HU, Adlershof und weitere) besuchten ihre KollegInnen und forderten diese auf, mitzustreiken. Als die Bildungsstreikenden den Warnstreik mitbekommen haben, entschlossen sie sich spontan, ihre Vollversammlung in die Mensa zu verlegen, um den Warnstreik der StudentenwerkerInnen zu unterstützen. Ergebnis: Mensa dicht ab halb ZWÖLF!!!

Überraschende Unterstützung gab es auch vom Asta der FU, der am Abend vorher spontan entschieden hat, den Warnstreik zu unterstützen. Vor dem Asta-Gebäude wurde eine „Volksküche“ (VoKü) angeboten und ca. 800 Mägen hungriger Studierender gefüllt. Einige Beschäftigte freuten sich so über diese Aktion, dass sie kurzerhand beim Ausschank halfen.

Die Glaslaube.

Ein neues Campushotel soll internationales Flair ins Dahlemer Dorf bringen
Sebastian Schneider und Felix Koch machen den ultimativen Elite-Check

Als der Chauffeur in die Takustraße einbiegt, reiben wir uns verwundert die Augen, stauben die Jacketärmel ab und lassen uns einen Cognac reichen. Wir haben extra unsere Gummistiefel eingepackt, um zwischen den Vorlesungen über den alten Fest- und Zirkuszeltplatz Dahlems zu bummeln. Die dörfliche Idylle des »deutschen Oxford im Grünen« (D. Lenzen) ist einem urbanen Vorboten aus Stahl und Glas gewichen. »Seminaris« prangt in schlichten Lettern, wo man früher beim bunten Treiben des Viehmarktes die Seele baumeln ließ. Wir beginnen zu recherchieren.

Gerade mal 38 Millionen Euro für die Umsetzung des Entwurfs eines vermeintlichen Star-Architekten. Einen Fonds braucht es dafür, die Uni stellt das Grundstück. Ein Vier-Sterne-Campus-Hotel mit 48 Angestellten, 372 Betten und 2600 qm Konferenzfläche im angegliederten Veranstaltungszentrum »The Dahlem Cube« um, wie FU-Präsident Lenzen meint, »Wissenschaft und Wohnen wieder mehr miteinander zu verbinden«.

Mit über 300 Menschen zusammen wohnen? Scheint eher Masse statt Klasse, doch komfortabler als ein Studentenwohnheim würde es schon werden, denken wir und entscheiden uns für eine Probeübernachtung. Wir schreiten durch den Haupteingang und stehen vor einem toten Ende aus unverputztem Beton. Gepäcktrollis parken im Raum. Um zur Rezeption zu kommen, müssen wir Treppen steigen. Oben schwirrt Personal umher, als seien wir in der Küche gelandet. Es gebe drei Suiten à 155 Euro, sagt ein junger Mann mit Anzug von der Stange, in der Auslage hinter ihm liegen Boulevard-Zeitungen. »Wir nähmen dann alle drei.«

Während sich der Chauffeur ums Gepäck kümmert, wird uns der Verschließmechanismus mit einer schnöden Plastikkarte erklärt. Als sich die Tür öffnet, fallen wir beinahe aus den Valentino-Puschen. »Die Suite« erinnern wir höflich, doch die Enttäuschung scheint im Preis inbegriffen. In allen dreien derselbe Anblick: Zwei Zimmer und ein Bad teilen sich rund 30 m2, die Einrichtung so stilsicher wie im »Motel One«. Die Kochnische bietet einen 2007er Dornfelder an Salzstangen und verfügt auch über eine Mikrowelle. Hier soll sich der ermüdete Leistungsträger wohl nachts eine Asia Box aufwärmen. Die Räume sind zwar zu klein um vernünftig zu putten, aber immerhin ist der Etagenflur menschenleer. Danach ist Zeit für die Hotelbar.

Die nennt sich »Faculty Club« und ist mit Gips-Repliken antiker Büsten verziert. In der Mitte des Raumes steht ein elektronischer Flügel. Auf den Teppich, in geschmacksneutralem blau-violett, ist das Motto von Seminaris in unendlicher Wiederholung gedruckt: »Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.« Esoterik meets Ikea meets S-Bahn-Polster. Menschen begegnen wir nicht – trotz bevölkerungswirksamer Happy Hour. Bei zwei Martini zum Preis von einem lassen wir das Geschäftskonzept von Seminaris auf uns wirken: Wohnen, Arbeiten, Feierabend-Getränk, Restaurant, die Ausstellung »Dahlems Helle Köpfe« und sogar eine Zweigstelle der Post treffen hier aufeinander. Gäbe es noch einen Supermarkt, wäre es konzeptionell nicht zu unterscheiden vom gesamtintegrativen Ansatz eines sozialistischen Plattenbaukomplexes. Darüber können auch die unfunktionalen Metallstreben im Innenhof nicht hinwegtäuschen, an denen dürre Rankpflanzen vor grauen Bastsesseln aufstreben.

Am nächsten Morgen weckt uns das Geräusch eines Staubsaugers vom Nebenzimmer. Auf dem Flur ist die Luft stickig und schwül, die knallende Sonne verwandelt die Glaslaube ins Treibhaus. Beim Auschecken fragen wir nur mehr spaßeshalber nach ausleihbaren Manschettenknöpfen, denn das Urteil ist längst gefällt: Elite schreibt sich mit fünf Buchstaben. Und so viele Sterne sollte ein Hotel schon haben.

Weitere Informationen bei der FU Berlin

Artikel erschienen im Out Of Dahlem Nr. 9

Fotos: Bildungsstreik an der FU Berlin

vollversammlung

Vollversammlung an der FU Berlin am 16.06.2009

weg zum praesidium

Die Vollversammlung ging über in eine Besetzung des Präsidiums der Freien Universität

besetzt

Das besetzte Präsidialamt der FU Berlin in der Kaiserswerther Straße

raeumung

Behelmte Polizeikräfte räumten anschließend die friedliche Sitzblockade

Am 16. Juni 2009 – dem 2. Streiktag des bundesweiten Bildungsstreiks besetzten ein paar hundert Studierende das Präsidialamt der Freien Universität Berlin. Verhandlungen zwischen Studierenden und Vertretern des Präsidiums brachten keine Einigung. Das Präsidium forderte die Polizei auf das Gebäude zu räumen. Behelmte Polizeikräfte räumten die friedliche Sitzblockade vor dem Präsidium und gingen anschließend gewalttätig gegen die Studierenden auf der Straße vor dem Präsidialamt vor. Die Besetzung wurde daraufhin von den Studierenden beendet.

Presseerklärung des AStA FU: Präsidium besetzt – Präsidium geräumt

Pressespiegel beim AStA FU

Weitere Fotos vom Bildungsstreik bei Björn Kietzmann:
15. Juni 2009 – 1. Tag vom bundesweiten Bildungsstreik an den Berliner Universitäten |
2. Streiktag FU Berlin
| FU Präsidium besetzt

Bildungsstreik 2009 – Protestschlafen an der FU Berlin

Mobilisierungsaktion zum bundesweiten Bildungsstreik vom 15.- 19.06.2009

Dazu auch der Präsident der FU

Am 17. Juni: Auf zur Bildungsstreik Großdemo

Im Kuratorium der FU Berlin konnte heute folgender Formulierungskompromiss als Unterstützung der Großdemonstration zum Bildungsstreik in Berlin beschlossen werden (bei einer Enthaltung angenommen):

Das Kuratorium begrüßt die Absicht von Studierenden und Beschäftigten der Freien Universität, den Wissenschaftssenator, Herrn Prof. Dr. J. Zöllner, darin zu unterstützen, die Forderung der Universitäten nach gesicherter Grundfinanzierung gegenüber dem Finanzsenator durchzusetzen. Das Kuratorium bittet das Präsidium, sich dafür einzusetzen, dass Studierenden und Beschäftigten, die an der Demonstration am 17. Juni im Rahmen der Aktionswoche teilnehmen, keine Nachteile erwachsen.

Hintergrund für die Unterstützung dürfte der Verhandlungsstopp um die Hochschulverträge sein. Während die Hochschulen aufgrund gestiegener Kosten eine Etat-Aufstockung um 20 Prozent für den Erhalt des derzeitigen Leistungsangebots fordern, stellt der Berliner Finanzsenator lediglich einen Inflationsausgleich von 1,3 Prozent in Aussicht, was eine Realkürzung bedeuten würde mit in der Folge massivem Stellen- und Studienplatzabbau.

Das Hochschulreferat des AStA FU unterstützt nachdrücklich die Forderungen nach einer gesicherten Grundfinanzierung gegenüber dem Finanzsenator, weist aber darauf hin, dass die finanzielle Absicherung der Hochschulen bei weitem nicht ausreicht: Das Demonstrations-Bündnis tritt ein für selbstbestimmtes Lernen, einen freien Bildungszugang, für die Entflechtung von Bildungssystem und Wirtschaft sowie für die Stärkung demokratischer Mitbestimmung in Bildungseinrichtungen.

Dazu Patrick Schukalla vom Hochschulreferat des AStA FU:

Unser Protest richtet sich ausdrücklich auch gegen das Präsidium der FU und ihre Politik der Entdemokratisierung, der Ökonomisierung von Bildung und der Neoliberalisierung der Hochschule. Einen Burgfrieden gegen den Senat wird es nicht geben.

Pressespiegel

Die Frankfurter Rundschau berichtet am 04.06.2009: Bildungsstreik statt Vorlesung und Büroarbeit

Das bundesweite Bündnis, das vom 15. bis 19. Juni zum Bildungsstreik aufruft, hat eine noch weiter gehende Agenda: für selbst bestimmtes Lernen und Leben sowie freien Zugang zu Bildung, gegen Bologna, verschultes Studium und Turbo-Abitur. In 60 Städten sind Schüler und Studierende, wissenschaftliches Personal, Lehrer, Erzieher und Auszubildende aufgerufen, sich an dem Protest zu beteiligen.

Junge Welt am 05.06.2009: Überraschende Avancen in Berlin

Die Avancen der Unileitungen kommen durchaus überraschend. Sind doch weder Lenzen noch Kutzler in der Vergangenheit als Unterstützer kritischer Studierender aufgefallen. Im Gegenteil: Lenzen ist Berater der »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft«, einer neoliberalen Lobbygruppe, die vom Unternehmerverband »Gesamtmetall« gesponsert wird. Ganz in dessen Sinn förderte er an der FU vor allem elitäre Studiengänge und wirtschaftsnahe Forschungsprojekte.

Tagesspiegel am 05.06.2009: „Man kann sich nicht alles bieten lassen“

FU-Präsident Lenzen teilte mit, Studierenden und Beschäftigten der Freien Universität, die am 17. Juni während der bundesweiten „Aktionswoche Bildungsstreik“ demonstrieren wollen, sollten daraus keine Nachteile erwachsen. Ein entsprechender Brief an die Verantwortlichen sei unterwegs. Die Demonstration soll um 11 Uhr am Roten Rathaus starten.