Langzeitstudium in Magister, Diplom und Lehramt – Schicht im Schacht?

Mit dem Auslaufen der Magister-, Diplom- und Staatsexamensstudiengänge sind vor allem für Langzeitstudierende zusätzliche Unsicherheiten verbunden. In der Vergangenheit war es noch problemlos möglich, ein Studium aufgrund von Kindererziehung, Lohnarbeit oder anderen Gründen zu unterbrechen und wieder aufzunehmen. Wer jetzt sein Studium unterbricht, ist jedoch damit konfrontiert, dass es den Studiengang schon in zwei Jahren nicht mehr gibt. Übergangsfristen und Einzelfallregelungen sind noch nicht restlos geklärt – mit Ausnahme der Lehramtsstudiengänge, dort jedoch zu Ungunsten der Studierenden.

Lehramt: schon 2010 schließt das Landesprüfungsamt

Insbesondere für die Lehramtsstudierenden gibt es ein Problem: das Landesprüfungsamt Berlin, zuständig für alle Staatsexamens-Prüfungen, schließt im Jahr 2010. Die Fachbereiche der FU verschicken bereits Infobriefe und weisen auf Veranstaltungen darauf hin: wer sich nicht bis zum 1.9.2010 zum Staatsexamen angemeldet hat, kann die Prüfung nicht mehr ablegen.

Nachfragen des AStA beim Landesprüfungsamt ergaben, dass dies in der Tat eine Ausschlussfrist ist. Sie ist in der Neufassung des Lehrerbildungsgesetzes festgelegt, eine rechtliche Anfechtung erscheint wenig aussichtsreich. Exmatrikuliert werden Langzeitstudierende LehramtskandidatInnen dennoch nicht: eine Umschreibung auf die BA/MA Studiengänge ist generell möglich. Hier drohen jedoch weitere Studienzeitverlängerungen, denn ob bei der Einstufung für den BA alle Leistungen anerkannt werden, ist unklar. Erfahrungen zeigen, dass es bei Anerkennungen und Umschreibungen stets Reibungsverluste gibt, sprich: Veranstaltungen und Prüfungen nachgeholt werden müssen. Gerade für Studierende im fortgeschrittenen Hauptstudium ist es wahrscheinlich, ins 5. oder 6. Semester BA zurückgestuft zu werden. Denn in den Master können sie ohne BA-Arbeit nicht hinein, also bleibt nur der Einstieg in die letzten Bachelor-Semester. Damit ist natürlich der Studienabschluss erstmal wieder in die Ferne gerückt, denn LehrerIn kann nur werden, wer auch den Master hat.

Für alle, denen eine Anmeldung zum Examen am 1. September 2010 utopisch erscheint, kann dennoch eine frühzeitige Umschreibung auf den BA Sinn machen. Man vermeidet damit, im Hauptstudium Scheine zu machen, die dann im BA nichts wert sind. Für alle, die es schaffen bis 2010 alle Scheine beisammen zu haben, ist es jedoch nicht ratsam zu wechseln. Denn erstens drohen beim Wechsel die besagten Reibungsverluste, zweitens bedeuten die Anfertigung einer BA-Arbeit, eine Neubewerbung auf einen Masterplatz und ein ganzes Masterstudium erheblichen Zeitaufwand und Risiken, die im Staatsexamens-Studium nicht anfallen. Für Menschen, die an der Frist knapp scheitern könnten, macht es daher vielleicht Sinn, bei Herannahen der Frist mit dem Landesprüfungsamt über Einzelfallregelungen zu verhandeln. Denn einige MitarbeiterInnen des Prüfungsamtes bleiben für die laufenden, vor dem 1.9.2010 angemeldeten Examensverfahren aktiv. Ein Rechtsanspruch auf Einzel- oder Härtefallregelungen besteht aber nicht! Es ist im Gegenteil damit zu rechnen, dass bei Ablauf der Frist in der Tat ein erzwungener Wechsel in den BA ansteht, ganz unabhängig von persönlichen Härten.

Eine Zwangsexmatrikulation droht Langzeitstudierenden aufgrund der Schließung des Landesprüfungsamtes jedoch nicht. Exmatrikuliert werden kann lediglich aufgrund der alten Zwangsberatungs-Regelung der FU, die auch in Magister und Diplom gilt, also bei Nichterfüllung von Auflagen ohne von der FU anerkannte Gründe.

Magister und Diplom – Zwangsberatung wie eh und je

Nicht nur das Lehramt, auch die Magister- und Diplomstudiengänge laufen mit festgelegten Ablaufdaten in den nächsten Jahren aus und werden abgewickelt. Die Ablaufdaten sind in sogenannten „Aufhebungsbeschlüssen“ des Akademischen Senats der FU für jeden einzelnen Studiengang festgesetzt. Das genaue Datum für die einzelnen Fächer kann an den jeweiligen Instituten erfragt oder unter Studien- und Prüfungsordnungen, Richtlinien, Satzungen eingesehen werden. Diese Aufhebungsdaten bedeuten, dass die FU ab dem genannten Zeitpunkt nicht mehr die Pflicht hat, die in den alten Studienordnungen vorgeschriebenen Seminare anzubieten. Eine Rechtsgrundlage für Zwangsexmatrikulationen sind diese Aufhebungsdaten jedoch nicht, ebensowenig leitet sich aus ihnen eine Pflicht zur Umschreibung auf den Bachelor ab.

Für Studierende im Magister oder Diplom gibt es kein externes Prüfungsamt, das schließen würde. Für die Disziplinierung der Langzeitstudierenden setzt die FU daher vor allem auf die klassische, seit 2002 geltende Regelung zur Zwangsberatung und Zwangsexmatrikulation. Offiziell dient diese dazu, Studierende mittels Beratung beim Abschluss zu unterstützen, faktisch ist sie durch Auflagen und Exmatrikulationsdrohung ein Druckinstrument, das Studienabbrüche bewusst in Kauf nimmt. Dennoch ist die Situation besser als im Lehramt, da trotz Aufhebungsbeschlüssen bisher noch keine generelle „Deadline“ für die Magister und Diplomstudiengänge besteht. Zwar versuchen die Fachbereiche, Druck auf ihre Langzeitstudierenden auszuüben, aber im Gegensatz zum Lehramt gibt es hier trotz Aufhebungsbeschlüssen keinen Gesetzlich sanktionierten Zwangswechsel in den Bachelor. Nach unserem bisherigen Wissensstand kann, anders als im Staatsexamen, im Magister oder Diplom durch das Aufhebungsdatum niemand zur Exmatrikulation oder zur Umschreibung auf den Bachelor gezwungen werden. Dementsprechend müßte die Möglichkeit bestehen, statt der vorgeschriebenen Magister- bzw. Diplomveranstaltungen Lehrveranstaltungen des Bachelor oder Master ersatzweise zu besuchen und so das Studium abzuschließen. Diese Option stellt die FU jedoch nicht in den Vordergrund, sondern versucht mittels der Zwangsberatungsregelung den Studierenden Druck zu machen. Des öfteren ist in letzter Zeit zu hören, dass mit Blick auf die Aufhebungsbeschlüsse härtere Auflagen durchgedrückt werden sollen. Dies ist rechtlich fragwürdig und Betroffene sollten sich in der Hochschulberatung des AStA FU melden!!

Obwohl es also keine Generalklausel zur Exmatrikulation gibt, sollten Langzeitstudis in Magister und Diplom die Ohren offen halten und auf Ankündigungen zu Übergangsfristen etc. nach Auslaufen ihres Studienganges achten. Das meint jedoch nicht, dass man sich allem beugen muss, was der Fachbereich in Infobriefen, Infoveranstaltungen, Beratungen etc. ankündigt. Es ist schon vorgekommen, dass recht haltlose Ankündigungen im Stile einer Drohung gemacht wurden, ohne dass die Rechtsgrundlage überhaupt geklärt war.

Denn, das wissen viele nicht: ohne Rechtsgrundlage gibt es keine Zwangsexmatrikulation. Weder im aktuell praktizierten Verfahren zur Zwangsberatung noch in zukünftigen Verfahren kann ohne Beachtung von Rechtsgrundlagen eine Exmatrikulation vollzogen werden. Bei allen derartigen Briefen oder Beratungsankündigungen macht es daher unbedingt Sinn, sich unabhängig beraten zu lassen. Also entweder bei der Hochschulberatung des AStA FU oder bei der studentischen Studienberatung des Fachbereichs.

Fazit

Für Lehramtsstudierende gilt also bereits eine harte Frist zur Examensanmeldung, für alle anderen gilt zunächst nur die klassische Zwangsexmatrikulations-Regelung ohne feste Enddaten. Dies kann sich jedoch ändern, daher gilt: Ohren offen halten, aber bei schlechten Nachrichten nicht gleich einknicken, sondern sich über die Rechtsgrundlagen und genauen Abläufe informieren. Bei Unkorrektheiten steht der AStA stets als Ansprechpartner zur Verfügung

Links zum Thema:

-Leitfaden Zwangsberatung des AStA FU
-Hochschulberatung des AStA FU


1 Antwort auf “Langzeitstudium in Magister, Diplom und Lehramt – Schicht im Schacht?”


  1. 1 Aktueller Stand der auslaufenden Studiengänge | fsi-wiwiss Pingback am 18. Dezember 2008 um 19:37 Uhr
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