Archiv für September 2008

Kommt mit nach Dresden…

…zum Alternativen Bildungsgipfel am 22.10.2008

Reclaim your Brain – für öffentliche und (kosten-)freie Bildung

Gemeinsam den Gipfel gestalten – Bildet euch und bildet andere !

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Bologna schafft Wahlfreiheit in Berlin ab

Seit der Bologna-Studienreform ist es nicht mehr möglich, das Zweitfach an einer anderen Berliner Hochschule zu studieren. Eine Studentin will gegen diese rechtswidrige Einschränkung klagen.

Keine Anrechnung von Studienleistungen

Natalie W. studiert Sozial- und Kulturanthropologie an der Freien Universität (FU) Berlin. Sie würde als Nebenfach gerne Afrikawissenschaften wählen. Da es ein solches Institut an der FU nicht gibt, versucht sie es an der HU und wird mit der schlichten Begründung abgelehnt, das ginge nicht. Selbst die Anrechnung eines Sprachkurses der Afrikawissenschaften in ihrem Kernfach würde von der FU-Verwaltung geblockt. Nun will sie klagen. Sie ist nicht die Einzige: Eine Studentin, die gerne ihr bereits in Potsdam begonnenes Philosophie-Studium dort abschließen wollte, musste wegen ihres Zweitfachs Gender Studies auch mit ihrem Kernfach an die Humboldt-Universität wechseln. Dort muss sie nun den vorgegebenen Schwerpunkt Logik nachholen, obwohl sie ihr Studium in Potsdam schon fast abgeschlossen hat und dort ihren Wunschschwerpunkt Ethik studieren könnte. Ihre Bemühungen um eine Ausnahmeregelung wurden abgelehnt. Die Verwaltung unterstellte ihr sogar, aus reiner Faulheit das Studium splitten zu wollen.

Bologna-Ziele verfehlt

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Vertrauen ist Gut, Kontrolle ist besser: Die FU Berlin nimmt ihre Promovierenden stärker an die Leine

Wie lange dauert eine Promotion? Obwohl laut einer Umfrage der Uni Marburg nur zwei Prozent der Doktoranden innerhalb zwei Jahren fertig sind und die Durchschnittsdauer sogar bei vier bis fünf Jahren liegt, ermahnt die FU Berlin bereits nach Ablauf des zweiten Jahres ihre Promovierenden mit einem Gängelschreiben. Die „Regelbearbeitungszeit“ sei abgelaufen, heißt es im Formbrief. Man werde deshalb die Deregistrierung vornehmen, wenn der oder die Studierende keine Bestätigung des Promotionsbüro über eine Verlängerung beibringen könnte.

Erfassung und Kontrolle

Was hat es mit diesen Briefen auf sich? Grundlage ist eine Änderung der „Satzung für Studienangelegenheiten“ der FU, die bereits im Jahr 2006 verabschiedet wurde. Dort heißt es in §10, Absatz 3:

Überschreitet eine Doktorandin oder ein Doktorand die in der jeweiligen Promotionsordnung vorgesehene Regelbearbeitungszeit für die Dissertation, so hat sie oder er bei der Studierendenverwaltung eine Bescheinigung des Promotionsausschusses vorzulegen, aus der der Bearbeitungsstand der Dissertation und die voraussichtlich noch erforderliche Bearbeitungszeit hervorzugehen haben. Wird die Bescheinigung innerhalb von drei Monaten nach Aufforderung zur Beibringung aus von der Doktorandin oder dem Doktoranden zu vertretenden Gründen nicht vorgelegt, erlischt die Zulassung zur Promotion.

Diese Klausel wird jedoch erst jetzt für die neuen Promovierenden wirksam, deren meist zweijährige „Regelbearbeitungszeit“ mittlerweile abgelaufen ist. Für Doktoranden, die vor 2006 ihr Promotionsstudium begannen, gilt die Regelung nicht. Sie können weiter ohne regelmäßige Verlängerungen weiterstudieren.

Laut Informationen der FU-Verwaltung verläuft die Verlängerung formlos, es reicht ein Schreiben des zuständigen Promotionsbüros, die Verlängerungsperiode kann auch mehrere Semester betragen, je nach Antrag des Studierenden. Eine rechtliche Grundlage für Exmatrikulationen gibt es noch nicht, bisher sei auch noch kein Antrag auf Verlängerung abgelehnt worden. Grund der Maßnahme ist eine Änderung des Hochschulrahmengesetzes, die Promovierende zu Mitgliedern der Hochschule erklärt. Seitdem werden Promovierende nicht mehr nur dezentral am Fachbereich erfasst, sondern auch zentral registriert und. auf Wunsch auch mit vollem Studierendenstatus samt Semesterticket etc. immatrikuliert.
Bereits bei der Satzungsänderung vor zwei Jahren bemängelte der AStA die Neuregelung im AStA FU-Blog als nachteilig für die Studieren. Kritisiert wurde einerseits die Tatsache, dass eine Anmeldung zur Promotion erst dann erfolgen kann, wenn Thema und BetreuerIn bereits gefunden bin – seitdem entsteht für viele Promotionswillige zwischen Abschluss und Promotionsstudium eine Lücke mit unklarem Krankenversicherungsstatus. Aber auch Aufwertung der Regelbearbeitungszeit stand schon damals in der Kritik. Jetzt, wo die Regelung tatsächlich greift, wird klarer warum.

Zwangsexmatrikulation für Doktoranden?

Die Notwendigkeit der Verlängerung scheint zwar im Moment noch eine lästige Formalie zu sein: nach zwei Jahren muss ein Promotionsstudium verlängert werden, harte Sanktionen gibt es nicht, zudem wird die Regelung bisher recht kulant gehandhabt. Zu bedenken ist dennoch, das mit der Neuregelung die in den Promotionsordnungen der Fachbereiche festgehaltene formale „Regelbearbeitungszeit“ erstmals eingefordert und überprüft wird. (mehr…)