Archiv für März 2008

Neue Tipps in Sachen Zwangsberatung

Anfang März wurde von der AStA-FU Hochschulberatung der „Leitfaden gegen Zwangsberatung“ aktualisiert. Der Leitfaden ist auf der AStA-Homepage abrufbar und bietet eine umfassende Orientierungshilfe beim Thema Zwangs- und Prüfungsberatung für Langzeitstudierende. Von den Rechtsgrundlagen über den Ablauf des Verfahrens bis hin zu konkreten Tipps zum Auftreten in der Beratung bietet der Leitfaden eine umfassende Vorbereitungshilfe für die Zwangsberatungen nach dem berüchtigten Paragraph 13 der Satzung für Studienangelegenheiten.

Die neue Version enthält insbesondere den bisher fehlenden Hinweis, dass Auflagen in der ersten Hauptstudiums-Beratung schlicht illegal sind:

Zwei Semester nach Überschreiten der Regelstudienzeit eine weitere Prüfungsberatung, die erste Prüfungsberatung im Hauptstudium. Bei verspäteter Zwischenprüfung verlängert sich die Frist, d.h. eure Zeit fürs Hauptstudium verkürzt sich bei verzögerter Zwischenprüfung nicht. In dieser ersten Hauptstudiums-Prüfungsberatung dürfen jedoch keine Auflagen erteilt werden! Dieses Faktum ist sehr unbekannt, daher sei noch einmal deutlich auf die „Richtlinien“ und die Satzung für Studienangelegenheiten (SfS) verwiesen. Beide Dokumente erwähnen Auflagen nur im Zusammenhang mit den Beratungen zur Zwischenprüfung (§ 13 Abs. 4 Nr 1 der SfS) sowie zur „Abschlussberatung“ ( § 13 Abs. 6 der SfS). Auflagen gibt es also unter Bedingungen bei der Zwischenprüfungsberatung und bei der sogenannten Abschlussberatung, nicht jedoch bei der ersten Prüfungsberatung bei Überschreiten der Regelstudienzeit. Diese Prüfungsberatung wird durch § 13 Abs 4 Nr 2 der Satzung für Studienangelegenheiten geregelt, und der entsprechende Absatz sieht schlichtweg keine Auflagen vor. Da die meisten DozentInnen das nicht wissen, solltet ihr in der Beratung darauf hinweisen: es gibt für Auflagen in der ersten Prüfungsberatung im Hauptstudium keine Rechtsgrundlage!

Dieser Hinweis bestätigt die Beobachtung, das im Verfahren zur Zwangsberatung immer noch jede Menge Willkür herrscht. Das mag in Einzelfällen und bei Verfahrensfehlern zugunsten der Studierenden ablaufen, in den meisten Fällen haben wir dadurch jedoch einiges an Nachteilen. Nachteile, die von unnötigem Stress bis hin zum erzwungenen Studienabbruch reichen können! Wichtig ist es daher, seine Rechte zu kennen und sich in der Zwangsberatung nicht überrumpeln zu lassen.

Dazu empfehlen wir nachdrücklich die Lektüre des Leitfadens, in Zweifelsfällen steht die Hochschulberatung auch stets für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Zum Abschluss für alle Last-Minute Weiterstudierwilligen: Wer bis jetzt seine Zwangsberatung für das Sommersemester noch nicht absolviert hat, kann dies noch bis zum 31.3. tun! Auch wenn in diversen Drohbriefen immer frühere Fristen genannt werden: die Beratung ist Teil der Rückmeldung, und die kann bis Semesterende durchgeführt werden. Selbst Anfang April können noch Beratungstermine vereinbart werden, sollten alle BeraterInnen über Ostern nicht erreichbar sein, die Prüfungs- und Studienbüros kennen die langsamen Abläufe an der Uni und sind in der Regel kulant.
Allerdings solltet ihr das zuständige Büro am Fachbereich und auch die Studierendenverwaltung informieren, falls ihr eure Beratungen auf den letzten Drücker abwickelt, denn sonst startet dort schon der Exmatrikulations-Automatismus.

Bücherspende nur eine Zeitungsente?

Im Ringen um die Bibliotheksreform an der FU kommen wieder mal absurde Kapriolen ans Licht: in einer Sitzung der Kommission für Forschung und Lehre dementierte Vizepräsidentin Keitel-Kreidt die Pläne, dass aussortierte Bücher aus dem Fachbereich Politik und Sozialwissenschaften als Bücherspende nach Litauen verschifft werden sollen. Die dementsprechende Pressemeldung sei irgendwie nicht abgesprochen gewesen, der Transport zu teuer und das Wegwerfen der Bücher ist anscheinend billiger. Aus dem Sitzungsbericht eines Teilnehmers, wie er auf dem Blog der Fachschaftsinitiativen zu lesen ist:

In Bezug auf das Vorhaben, viele Bücher aus dem FB PolSoz nach Vilnius zu schaffen, herrschte relative Unklarheit: Selbst das gesamte Präsidium unterhalb von Präsident Lenzen sei damals überrascht gewesen von dieser Pressemitteilung des Präsidenten. So fern es diese Mitteilung denn tatsächlich gegeben habe.
Ein Transport dieser Bücher über diese Entfernung sei laut Keitel-Kreidt angesichts der Geldmittel der FU unrealistisch. Nicht zuletzt deshalb sei unklar, wie viele Bücher bei einer Realisierung denn überhaupt von einem solchen Transport nach Vilnius betroffen wären. Doch das Fazit lautete letztlich: Wenn die FU einen solchen Transport nicht bezahlen würde und auch Vilnius dies nicht täte (wovon ausgegangen wird), würden die Bücher wohl hier bleiben. In diesem Fall käme folgende “Lösung” zum Tragen, auf deren Zusammenhänge ich danach nun genauer eingehen werde:

1. Sie (das heißt vor Allem “überzählige” Bücher) werden verkauft. Auf Flohmärkten, Bücherbasaren o.ä.. Und/oder
2. sie werden verschenkt und/oder
3. Sie werden weg geworfen.

Es wird jedoch davon aus gegangen, daß es sich um so viele Bücher handelt, daß selbst über Verschenken und Verkaufen nicht genügend davon an den Mann oder die Frau gebracht werden könnten.
So verbleibt, voraussichtlich (ich will dies nicht zu 100 % behaupten), das Wegwerfen einer unbestimmten Zahl an Büchern.

Die Fachschaftsini Geschichte kommentiert dazu:

Seltsam, Seltsam – erst wird eine große Spende angekündigt, dann weiß die Vizepräsidentin von nichts und bezweifelt, dass es diese Ankündigung überhaupt gegeben hat. Im Internet ist sie allerdings nachzulesen, und zwar hier. Wenn mittlerweile nicht einmal mehr die Vizepräsidentinnen über die Geistesblitze und Staatsaktionen des Präsidenten informiert sind, scheinen wir an der FU wohl eine neue Ebene des Absolutismus erreicht zu haben…

Den ganzen Sitzungsbericht vom 4. März könnt ihr auf www.fachschaftsinitiativen.de.vu nachlesen.

Massive Proteste gegen den Bologna Prozess in Spanien

In Spanien finden seit Monaten immer wieder Proteste gegen den Bologna-Prozess statt. Am 06. März gab es erneut Demonstrationen in verschiedenen Städten. Die beiden größten Demos fanden in Sevilla (ca. 3000 TeilnehmerInnen) und Barcelona (ca. 10000 TeilnehmerInnen) statt. Im Rahmen der Proteste in Sevilla wurde auch die Universität für 24 Stunden bestreikt und besetzt. In Barcelona wurde aus Demo heraus eine Polizeiwache mit Farbbeuteln beworfen. Einige Tage zuvor ging die Polizei mit massiver Gewalt gegen Studierenden der Universitat autónoma de Barcelona vor. Diese hatten ihre Fakultät für Philosophie und Geisteswissenschaften aus Protest besetzt.

>Weitere Infos und Bilder<

Geschäftsführer Dieter Lenzen und das elitäre Dosenstechen

Der Standard aus Wien berichtete am 04.03.2008 über die Proteste gegen den Elite-Status der Freien Universität Berlin. Im Mittelpunkt des Berichtes stehen die diversen innovativen Protestformen des Dieter-Lenzen-Fanclubs (vom Standard eingeordnet als: Kommunikationsguerilla). Für den Standard wirkt auch der Protest gegen den Elitestatus irgendwie elitär:

Jubelparaden, Leader-Lieder und Habitus-Coaching folgen Lenzen auf Schritt und Tritt in der Öffentlichkeit. Die Berliner Studenten reagieren elitär auf das Exzellenzprädikat ihrer Uni.

Also verdient die Elite-Universität auch den Elite-Protest. Obwohl der Dieter Lenzen Fanclub inzwischen enorm gewachsen ist, kann er seinen (Protest-)Elite-Status bewahren:

Die rund 600 Klubmitglieder versichern, dass Dieter Lenzen ihr Held sei und warten mit Slogans wie „Reichtum soll sich wieder lohnen – für die Uni wie für die Elite!“ auf. Dieser Klub wirkt wie eine Huldigungsoffensive für die neoliberale Linie des Uni-Präsidenten.

Nur, dass dem Präsidenten (laut Standard auch: Geschäftsführer der Freien Universität (FU) Berlin) der elitäre Protest eher missfällt.

Lenzen ist der Spott zu bunt geworden. Er lässt sich von einem Sicherheitsservice begleiten, auf der Uni beobachten Polizisten in Zivil die Protestwelle. Doch die Studenten lassen sich nicht stören. Sie stellen ihren Elitestatus zur Schau und erproben sich im „Exzellenzcluster Vergleichendes Dosenstechen“.

Der ganze Artikel auf Standard.at
via: BlogChronik der Kommunikationsguerilla