Bücher wegschaffen will gelernt sein

Das Sortieren geht los: während man am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften die Studierenden noch mit Bibliothekskommissionen und Runden Tischen hinhält, schafft die Universitätsverwaltung schon mal Fakten. Obwohl die vom Präsidium gewünschte Zusammenlegung der Bibliotheken am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften längst noch nicht beschlossen ist, werden schon Fachkräfte zum Bücherausortieren gesucht – siehe Inserat aus dem FU-Stellenanzeiger unten.

Denn auch an der FU gilt: große Ideen fordern Opfer. In diesem Falle sind es bis zu 500.000 Bücher, die im Rahmen der Zusammenlegungen aussortiert werden sollen. Schließlich ist am neuen Standort in der Universitätsbibliothek deutlich weniger Platz vorhanden. Bereits vor Wochen verkündete das Präsidium, es wolle alte und unnütze Bände aus jener grauen Urzeit „vor der Wende“ nach Vilna verschiffen. Als ob die Wege an der FU nicht schon lang genug wären…

Wer sich bewerben mag:

„Universitätsbibliothek“

Angestellte / Angestellter
für 2 Jahre
Vgr. IIa/Ib BAT (i.d.F.d. Anw.-TV FUB)

Aufgabengebiet:

* Koordination des Projektes „Aussonderung von Literatur im Bibliotheksbereich Politik- und Sozialwissenschaften“.
* Mitarbeit bei der Evaluierung des Bestandsprofils des Bereichs
* Auswahl der aussonderungsrelevanten Literatur unter Berücksichtigung von Lehre und Forschung der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer der Universität, des Bestandes der Universitätsbibliothek sowie digitaler Medien.
* Steuerung der Verwertung des auszusondernden Bestandes

Einstellungsvoraussetzungen:
Hochschulabschluss der Politik-, Sozial- oder Geschichtswissenschaften oder gleichwertige Fähigkeiten und Erfahrungen

Erwünscht:

* Qualifikation für den höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken (Staatsprüfung oder vergleichbarer Hochschulabschluss) oder Erfahrung in wissenschaftlichen Bibliotheken
* Gute Kenntnisse des Wissenschaftsbetriebes der Freien Universität
* Führungskompetenz, Kooperationsfähigkeit, Flexibilität

Bewerbungen sind mit aussagekräftigen Unterlagen bis zum 18.02.2008 unter Angabe der Kennziffer 15980000-07-30 zu richten an die

Freie Universität Berlin
Universitätsbibliothek
Leitung
Prof. Dr. Ulrich Naumann
Garystr. 39
14195 Berlin (Dahlem)

Langfristig scheint es so, dass an der FU nur noch ein oder zwei Zentrale Großbibliotheken geplant sind und die einzelnen Institutsbibliotheken mehr und mehr zum Auslaufmodell werden – das durchweg gegen den Willen von Studierenden und auch MitarbeiterInnen und Lehrpersonal. Die peinlichen Folgen der letzten Zusammenlegung lassen sich ab heute am Eingang der Philologischen Bibliothkek bewundern: Ausweiskontrollen sollen dort sicherstellen, dass nur noch NutzerInnen des richtigen Fachbereichs dort Zugang haben. Denn die Zentralbibliothek scheint deutlich zu klein zu sein für den Bedarf….

Einige Studierende nahmen diese Kontrollaktionen offensichtlich mit Humor und hielten es für einen besonders eleganten Rosenmontagswitz . Es steht jedoch zu befürchten, dass es der Unileitung bitterernst ist mit der Gesundschrumpfung der FU.


4 Antworten auf “Bücher wegschaffen will gelernt sein”


  1. 1 ano 05. Februar 2008 um 3:09 Uhr

    Die peinlichen Folgen der letzten Zusammenlegung lassen sich ab heute am Eingang der Philologischen Bibliothkek bewundern: Ausweiskontrollen sollen dort sicherstellen, dass nur noch NutzerInnen des richtigen Fachbereichs dort Zugang haben.

    Nun, wenn man zynisch sein wollte, dann müßte man nun die Zusammenlegungen regelrecht begrüßen:

    Denn wenn die Zentral-Bib für alle da ist, dann gibt es ja keine „NutzerInnen des richtigen Fachbereichs“ mehr. ;-)

  2. 2 Mike 05. Februar 2008 um 17:22 Uhr

    Jecken entern die Silberlaube
    http://www.freie-bildung-berlin.de/?p=308

  3. 3 AStA FU 11. Februar 2008 um 12:00 Uhr

    Interessant in diesem Zusammenhang auch die Rechtliche Einschätzung eines Bibliothekswissenschaftlers:

    Die u.a. in einer „Rundmail“ angekündigte bzw. verfügte Maßnahme ist rechtlichen Bedenken ausgesetzt.

    Nach § 2 Nr. 2 der Benutzungsordnung für die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin vom 27. 10. 2004 können „die Informationseinrichtungen und die frei zugänglichen Bestände der Lesesäle und des Zeitschriftenfreihandmagazins … von allen Personen über 16 Jahre ohne Benutzungsausweis benutzt werden.“

    Die Philologische Bibliothek der FU Berlin stellt danach eine allgemein zugängliche Informationsquelle im Sinne von Art. 5 Abs. 1 S. 1, 2. Hs. GG dar. Die Frage nach der Fakultätszugehörigkeit und erst recht nach den Forschungsinteressen stellt einen Eingriff in das Grundrecht dar. In der Literatur wird bereits eine Registrierung wegen des mit ihr verundenen Einschüchterungseffekts als Grundrechtseingriff gewertet, vgl. Wendt, in: vonMünch/Kunig, Grundgesetz-Kommentar, 5. Aufl., München 2000, Art. 5, Rn. 27.

    Ein Eingriff freilich ist möglich, muß aber nach Art. 5 Abs. 2 GG eine gesetzliche Grundlage haben. In der Benutzungsordnung der Bibliothek ist eine solche Grundlage nicht ersichtlich. Auch ist es fraglich, die Reglementierungen auf ein allgemeines Hausrecht oder ordnungsrechtliche Befugnisse zu stützen.

    Quelle:

    http://bibliotheksrecht.blog.de/2008/02/06/ausschluss_von_benutzern_in_der_philolog~3688742

  1. 1 Entwicklungen an den Bibliotheken der FU at IBI-Weblog Pingback am 05. Februar 2008 um 11:20 Uhr
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