Archiv für Oktober 2007

Was denn nun, Herr Lenzen?

Kurz nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des Exzellenzwettbewerbs schrieb der Präsident der Freien Universität, Dieter Lenzen, einen Brief an alle Studierenden seiner Universität. In diesem Brief wird unter anderem Bezug auf die nun verbesserten Berufschancen der FU Studis genommen:

Wenn Sie an dieser Freien Universität Ihren Abschluss gemacht haben, werden Ihre Zukunftschancen im Beruf noch besser sein als zuvor. Denn: Die Frage, an welcher Universität jemand studiert hat und graduiert wurde, ist für den Erfolg im Berufsleben auch international immer wichtiger geworden.

In einem Artikel den Herr Lenzen für die Berliner Morgenpost am 29.10.2007 verfasst hat, klingt das plötzlich ganz anders:

Honoriert wurden in diesem Wettbewerb nicht exzellente Lehre oder ein guter „Ruf“ einzelner Fächer hinsichtlich ihrer Ausbildungsqualität und auch nicht die Aussichten der Absolventen unterschiedlicher Hochschulen auf dem Arbeitsmarkt. Kurzum: Über die akademische Ausbildungsqualität sagt das Wettbewerbsergebnis nichts aus.

Herr Lenzen, so geht das aber nicht! Was ist denn nun aus unseren verbesserten Zukunftschancen geworden? Es ist eine Sache sich über das Ergebnis des Exzellenzwettbewerbes für die Freie Universität zu freuen, eine andere ist es, den Studierenden offenbar trotz besseren Wissens weiszumachen es würde sich für sie auch nur irgendein Vorteil aus dem Elitestatus ergeben. Das Wettbewerbsergebnis sagt in der Tat nichts über die Ausbildungsqualität aus, dieser Aussage ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Zur Ausbildungsqualität an der FU Berlin gibt es vielfältige Berichte – aber vielleicht spielt das auch Aufgrund des Elitestatus nun gar keine Rolle mehr?

Die Freiheit, die ich meine? Diskussion zur FU-Gedenkpolitik

Di, 06.11.2007 | 18.00 Uhr
Henry-Ford II. -Bau, Hörsaal D (Garystraße 35)

Veranstaltet von der FSI Geschichte und dem AStA der Freien Universität Berlin

Am 06.09.2007 wurde hinter dem Henry-Ford Bau ein Freiheitsdenkmal enthüllt. Doch Freiheit für wen? FU-Präsident Lenzen widmete es zehn Anfang der 50er Jahre in der Sowjetunion ermordeten FU-Studierenden. Deren Namen tauchen jedoch am Denkmal nicht auf – wohl aber der Name des Sponsors: Bankhaus Oppenheimer.

Zudem gibt es die Vermutung, einige der zehn Studierenden wären Mitglieder der rechten „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ gewesen, der in der DDR Sabotageakte bis hin zu Sprengstoffattentaten zur Last gelegt wurden. Wem gilt nun das Denkmal? Freiheitskämpfern? Terroristen? Dem Bankhaus Oppenheimer? Wir fragen nach!

Es diskutieren:

Prof. Wolfgang Wippermann (Historiker und Autor)

Ralf Hoffrogge (FSI Geschichte, AStA FU)

FU-Präsident Prof. Dieter Lenzen (angefragt)

Moderation: Kerstin Bischl (reflect!, FSI Geschichte)

Hintergrundinformationen bei der FSI Geschichte an der FU Berlin:
Gedenken ohne Kontext – Geschichte an der FU

Freiheitskämpfer oder Terroristen? Ein “Denkmal” wirft Fragen auf.

Die tageszeitung berichtete am 20.10.2007 über die ersten Reaktionen des FU Präsidenten Dieter Lenzen zur Entscheidung der Exzellenz-Initiative:

Dennoch bemühte Lenzen sich, nicht allzu sehr aufzutrumpfen. Sein erster Gedanke, erklärte er, mit Stehkragen und schwarzem Jackett wie ein Priester gekleidet, hätte den Studenten gegolten, die bei der FU-Gründung ihr Leben ließen.

Zur Instrumentalisierung des Freiheits-Begriffs im Hochschulmarketing wurde bereits ein Freiheits-Preis vergeben und eine Freiheits-Rede angedroht. Inzwischen gibt es also auch das Freiheits-Denkmal an der „Freien“ (Alleinstellungsmerkmal!) Universität Berlin.

Pressespiegel zur „Eliteuni“ FU Berlin

FU WIRD ELITE Im Wortlaut
die tageszeitung 20.10.2007

Till Ermisch, Referent für Hochschulpolitik beim AStA der FU:

„Mit der Entscheidung wird das amtierende Präsidium gekrönt für seine schlechte Hochschulpolitik. Zusammenlegung von Bibliotheken, Schließung von Instituten, skandalöse Personalentscheidungen. Im Gegensatz zu anderen Unis wurde der Antrag für den Exzellenzwettbewerb unter Ausschluss der Studierenden erarbeitet. Wir befürchten durch die im Exzellenzwettbewerb geforderte Trennung zwischen Forschung und Lehre eine destruktive Rückwirkung auf die Lehre an der FU.“

Exzellenz-Wettbewerb „Hallo, ihr Elitestudenten“
Tagesspiegel 23.10.2007

Wie Hochschullehrer und Studierende an der Humboldt-Uni und der Freien Universität auf die Entscheidung reagieren.

50 Meter entfernt in der Asta-Villa befürchtet man eher, dass sich Türen schließen werden. „Als so genannte Eliteuni wird die FU immer mehr Studienbewerber ablehnen“, sagt Björn Kietzmann, Asta-Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Er befürchtet, dass „sich die FU abschottet“ und weitere Hürden wie Auswahlgespräche für den Unizugang aufstellen werde. „Das Label Elite täuscht über die realen Probleme hinweg“, sagt er. „Wir brauchen keine Förderung für einige ausgewählte Projekte, sondern gute Bildung insgesamt.“ Konkrete Aktionen zum Elitetitel plant man beim Asta aber nicht.

STUDENTEN „Man fragt sich schon, was das soll“
Berliner Zeitung 23.10.2007

Die studentische Vertretung, der Asta, sitzt in einem Einfamilienhaus mit Erker und Vorgarten. Hier herrscht nicht nur Skepsis gegenüber der Auszeichnung, wie bei den Politikstudenten, hier herrscht Bestürzung. Es ist ohne Zweifel so, dass der Asta nicht alle politischen Strömungen des Landes in gleichem Maße abbildet. Auf dem Klo hängt nicht von ungefähr ein Bild des früheren FU-Studenten Rudi Dutschke. Die Idee, die Gesellschaft von weit links her zu verbessern, ist hier Grundkonsens. Aber der Asta ist die gewählte studentische Vertretung der FU. Und von seinem Mitspracherecht macht er regen Gebrauch. Bei einem Besuch der Elite-Auswahl-Kommission vor einem Jahr organisierte er die Besetzung des Otto-Suhr-Instituts. Auf Transparenten stand die klare Botschaft „Verpisst euch!“

Till Ermisch trägt ein grünes G8-Gegner-T-Shirt. Er ist Referent für Hochschulpolitik beim Asta und noch bevor er sich zwischen allerlei frisch gedruckten Flugblättern einen Sitzplatz sucht, erinnert er daran, dass ein Viertel des Preisgeldes, das die FU nun bekommt, vom Bundesland Berlin selbst aufgebracht werden muss. 25 Millionen Euro sind das. Geld, das angeblich nie da gewesen sei, um es in die Bildung zu investieren. Aber das jetzt auf einmal laut Wissenschaftssenator Zöllner ohne Weiteres beschafft werden könne. „Das hat etwas Destruktives“, sagt Ermisch. Wenn aus Zöllners Etat mehr Geld in die Forschung gehe, so seine Folgerung, werde weniger für die Lehre übrig bleiben.

Das Asta-Mitglied nennt Dieter Lenzen ein „trojanisches Pferd im deutschen Bildungssystem“. Er sei jemand, der die demokratische Kultur der Freien Universität an die freie Wirtschaft verrate und nun für seinen studierendenfeindlichen Kurs auch noch von der Exzellenzinitiative belohnt werde.

Lenzen hat am Freitag gesagt, er sei froh, dass die FU nun nicht mehr als Schmuddel-Uni dastehe. Aber jene ehemalige Schmuddel-Uni im Süden Berlins ist eben auch ein Symbol deutscher Nachkriegsgeschichte, des Wiederaufbaus und der Studentenbewegung. Sie ist die Uni von Rudi Dutschke und Benno Ohnesorg. Bestimmte Dinge stoßen hier auf Argwohn. Bis heute.

Kritische Stimmen zum Elitewettbewerb:

EXZELLENZINITIATIVE „Der Elite-Wettbewerb schwächt die Hochschulen“
Spiegel Online, 19.10.2007

Spitzenunis findet Richard Münch überhaupt nicht spitze – sondern überflüssig. Im Interview erklärt der Bamberger Soziologe, warum er das Geld aus der Exzellenzinitiative für ein „problematisches Geschenk“ hält und den Studenten eher Nachteile drohen.

Leitartikel: Die Elite-Euphorie
Berliner Zeitung, 20.10.2007

Die Exzellenzinitiative aber befördert das Gegenteil. Sie spaltet nicht nur die Hochschulen in Gewinner und Verlierer. Sie spaltet langfristig auch das gesamte System: in ein paar Spitzen-Unis für wenige Ausgewählte und in viele Lehr-Unis für die breite Masse.

Ob der Studierende von der neuen Elite-Euphorie profitiert, muss sich erst noch erweisen. Denn die Probleme im Lehralltag bleiben bestehen: Die Hörsäle und Seminare sind überfüllt. Viele Wohnheime und Mensen sind marode. Immer mehr Studierende sind wegen Studiengebühren und stagnierendem Bafög mit ihrem Lebensunterhalt beschäftigt statt mit ihren Lehrbüchern

GEW: „Wir brauchen keine Leuchttürme in der Wüste“
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, 19.10.2007

Die Exzellenzinitiative verschärft die Strukturprobleme des deutschen Hochschulsystems, statt diese zu lösen

Statt die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland zu fördern, vertiefen Bund und Länder mit ihrem milliardenschweren Programm das Gefälle zwischen Ost und West, Nord und Süd. Wir brauchen aber keine ‚Leuchttürme in der Wüste’. Spitzenförderung setzt ein breites Fundament voraus.

Lehre und Studium fallen mal wieder unter den Tisch, die Fachhochschulen bleiben von vornherein außen vor

Einklagen: Rechtschutzversicherung muß zahlen!

Da nicht nur an der FU die NC´s immer höher werden, ist das sogenannte „Einklagen“ für viele Studierende oft die letzte Hoffnung beim Kampf ums Wunschstudium. Doch leider scheiterten viele von vornherein am Geld: eine Klage kostet bis zu 1300 Euro, mit eigenem Anwalt noch mehr. Um so interessanter ist ein Urteil des Oberlandesgerichtes Celle – Rechtsschutzversicherungen müssen das Einklagen bezahlen, meldete vorgestern ntv-online :

Wenn ein abgelehnter Hochschulbewerber einen Studienplatz einklagen will, muss seine Rechtsschutzversicherung die Kosten dafür übernehmen. Zwar versuchen die Versicherer oft, sich vor den Kosten zu drücken – das ist aber unzulässig. Dies teilt der Bund der Versicherten (BdV) unter Berufung auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle mit. Allerdings sei die Versicherung nur verpflichtet, für zehn Verfahren pro Semester aufzukommen, entschieden die Richter (Az.: 8 U 179/06).

Dies stellt eine entscheidende Verbesserung für viele Studienbewerberinnen da – denn bisher weigern sich die meisten Versicherungen, für Studienplatzklagen aufzukommen. Gilt zu hoffen, dass auch andere Gerichte das Celler Urteil bestätigen.

Trotz der guten Neuigkeiten ist das Einklagen jedoch nicht die ultimative Wunderwaffe, für die es viele halten. Die im Bericht erwähnten „10 Klagen pro Semester“ weisen bereits darauf hin, dass eine einzelne Klage an der jeweiligen Lieblingsuni oft abgelehnt wird. Einige Studierende greifen daher zu Massenklagen , um auf jeden Fall irgendwo berücksichtigt zu werden. Für dieses Semester kommt ein solches Vorgehen jedoch wohl erst zum nächsten Jahr in Frage – denn es kann nur dort geklagt werden, wo bis zum 1.10. ein Antrag auf außerkapazitäre Zulassung gestellt wurde. Da diese „Auperkapazitätsanträge“ an FU und HU jedoch in das normale Zulassungsverfahren integriert sind, ist hier eine Klage bis zu einen Monat nach Erhalt der Ablehnung möglich.

Eine persönliche Beratung zum Einklagen erhaltet ihr bei der Hochschulberatung des AStA FU. Diese versendet auf Anfrage auch ein Merkblatt zum Thema per email – mailkontakt erhaltet ihr hier.

Weitere nützliche Informationen:

-Merkblatt des Refrat HU
-Homepage Verwaltungsbericht Berlin mit Formularen und Merkblatt
-Kurzinfo der FSI-Geschichte zum Thema
-Mitteilung des AStA FU zur Umstellung des Zulassungsverfahrens im WS 2007/2008

TU: AStA ab sofort in einem muffigen Keller

Wie uns erst vor wenigen Stunden bekannt wurde, ist der AStA der Technischen Universität Berlin aus seiner Villa gezogen. Ermöglicht wurde dies durch den abgewählten, aber noch amtierenden Rechts-AStA. Das konservative Bündnis aus dem CDU nahen RCDS und den sogenannten Unabhängigen Listen wurde zwar vor etwa 3 1/2 Monaten durch eine deutliche Mehrheit der wählenden Studierenden abgewählt. Nichts desto trotz ändert sich an der TU erstmal nichts. Der die Wahlen organisierende Wahlausschuss besteht derzeit ausschließlich aus konservativen Studierenden. Diese verhindern zusammen mit dem amtierenden AStA eine Konstituierung des neu gewählten Studierendenparlamentes.

Zur Freude der Uni tauschte der AStA TU seine Räumlichkeiten gegen einen muffigen Keller. Die linken Listen, welche die letzten Studierendenparlamentswahlen deutlich gewonnen hatten, richteten am 28.09. einen Einspruch gegen den Umzug an die Unileitung. Darin wurden unter anderem bemängelt, dass es in zu dem Keller-Loch keine Zugangsmöglichkeiten für gehbehinderte Menschen und keine ausreichenden Fluchtwege gibt. Es ist schlecht beleuchtet, schwer zu finden und miserabel belüftet. Darüber hinaus sind die Räume einfach viel zu klein sowohl für AStA-Sitzungen als auch weitestgehend für Beratungen fehlt der Platz. In den wenigen Räumen ist es unmöglich das komplette Service-Angebot des AStAs unterzubringen. Auch eine räumliche Trennung des Frauen- und Queerreferats sind unmöglich. Der Umzug begann ungeachtet der Einwände am 05. Oktober.