Arbeitsagentur für Studierende macht dicht

Zum Ende dieses Monats soll die Außenstelle der Arbeitsagentur Berlin an der FU geschlossen werden. Die in der Silberlaube angesidelte Filliale vermittelt Jobs speziell an Studierende und ist ein sehr beliebtes Angebot – kaum verwunderlich angesichts der Tatsache, dass in Deutschland etwa zwei Drittel aller Studierenden auf Lohnarbeit zur Studienfinanzierung angewiesen sind.

Bereits im Mai 2007 wandte sich daher der AStA FU in einer Presserklärung gegen die Schließungspläne:

Die Arbeitsagentur gibt es hier bereits seit 1979 und leistet gute Arbeit. Sie ist die einzige Berliner Arbeitsagentur, die Studierende vermittelt. Auch solche, die bei der studentischen Arbeitsvermittlung des Berliner Studentenwerks “Heinzelmännchen“ ausgeschlossen sind. Etwa Studierende in höherem Semester, ältere Studierende und Studierende aus anderen Bundesländern oder Studierende, die nicht das Geld für die Abrechnung bei den “Heinzelmännchen“ aufbringen können .[…]

„Es wäre von hohen Nutzen diese Zweigstelle aufrecht zu erhalten, da sie durch ihre Arbeit Arbeitslosigkeit verhindert. Denn gerade viele Studierenden in der Abschlussphase oder mit migrantischen Hintergrund hätten sonst große Probleme Jobs zu finden, und somit auch Probleme ihr Studium zu beenden“ – so damals Hayuta Zaher, Sozialreferentin des AStA der FU.

Wie mittlerweile durch eine Pressemitteilung von Anja Schillhaneck, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, bekannt wurde, hat die Schließung rein verwaltungstechnische Gründe, die für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind:

… die Arbeitsagentur kann und darf dieses Angebot nicht länger bezahlen – sie wird aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung finanziert, von denen Studierende befreit sind. Jetzt ist Wissenschaftssenator Zöllner gefragt, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um nach Wegen zu suchen, die studentische Jobvermittlung zu erhalten.

Weil Studierende nichts einzahlen, sollen sie also auch keine Vermittlungsleistungen in Anspruch nehmen dürfen. Die Umdefinition der Arbeitsvermittlung zur individuellen Dienstleistung sorgt also dafür, dass der öffentliche Charakter einer solchen Einrichtung völlig aus dem Blick gerät. Eine Reflektion über den Nutzen der Einrichtung oder eine Suche nach alternativen Finanzierungsmodellen findet nicht statt. Genau wie der AStA kritisiert auch Schillhanneck die Schließung der Filliale insbesondere als Benachteiligung für ausländische Studierende:

Die Erfahrungen in der Jobvermittlung für internationale Studierende, die oft nur eingeschränkt arbeiten dürfen, ginge verloren – ein großer Verlust, auch für die internationalen Studierenden, vor allem an der FU. – Alle anderen Arbeitsvermittlungen, ob privatwirtschaftlich oder bei den Heinzelmännchen, bieten zwar die Abrechnung der Löhne etc. an, verlangen aber vor allem eine Vermittlungsgebühr. Die Außenstelle der Arbeitsagentur an der Freien Universität hat als einzige weder JobsucherInnen, noch ArbeitgeberInnen zusätzlich Kosten bereitet.

Leider stießen bisher alle Forderungen nach Erhalt der Vermittlungsagentur auf taube Ohren bei den Verantwortlichen. Jedoch hält der AStA der FU die Tätigkeit der Filliale weiterhin für notwendig und fordert die Rücknahme der Schließung – ein derartig bewährtes Angebot darf nicht an Verwaltungsquerelen scheitern.