Probleme mit dem Semesterticket

In einem Schreiben an den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) weist die Semesterticket Landerskoordination (Semtix-LK) auf aktuelle Probleme und Wünsche der Studierenden bezüglich des Semestertickets für Berlin hin. Zu diesem Zeitpunkt war den Studierendenschaften bereits ein als „alternativlos“ dargestelltes Angebot zur Preiserhöhung des Semestertickets mitgeteilt worden. Den Studierendenschaften wurde dabei keine Möglichkeit gegeben mit dem VBB über Verbesserungen der Vertragsbedinungen oder eine Erweiterung des Angebotes zu diskutieren.

Im Folgenden nun die von den Studierendenschaften als problematisch angesehenen Punkte und Vorschläge für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem VBB:

  • So sehen ausnahmslos alle an der Semtix- LK beteiligten Hochschulen z.T. erhebliche Probleme mit Kontrollen im öffentlichen Nahverkehr. Dies gilt insbesondere für die kontrollierenden Subunternehmen und deren Angestellte. Es gibt wiederholt Berichte von Unhöflichkeit, der Androhung von Handgreiflichkeiten und einer insgesamt an Kopfgeldjäger gemahnenden Mentalität der Kontrolleure.
  • Unter diesen Punkt fällt auch das Problem der Einziehung von Semestertickets bei Fälschungsverdacht, da das Ticket gleichzeitig ein fürs Studium (Bibliotheks- und Veranstaltungsbesuch, Prüfungsanmeldungen etc.) absolut notwendiges Papier ist. Eine Lösung für derartige Fälle, die ohne die gleichzeitige Einbehaltung von Ticket und Studierendenausweis auskommt, wäre zu diskutieren.
  • Die Enthinderungsbeauftragten der Hochschulen weisen darauf hin, dass noch immer keine flächendeckende Barrierefreiheit des Verkehrsnetzes gegeben ist. Eine Information über Sachstand und Planungen halten wir für angemessen.
  • Eine zahlenmäßig kleine Gruppe sind berliner Studierende, die außerhalb des Tarifbereiches C wohnen. Die bisher sehr restriktiven Vorschriften für den Erwerb und vor allem die Nutzung eines Zusatztickets wären zu überdenken. Angesichts des steigenden Preises für das Ticket und einer nur zu Recht erwarteten wesentlichen Erweiterung [des Leistungskataloges] in diesem Falle, wären die Hochschulen außerdem an einem Angebot für einen VBB-weiten Fahrausweis interessiert, der ggf. fakultativ erworben werden kann.
  • Was die Verkehrsanbindungen angeht, sind vor allem die im Innenstadtbereich liegenden Hochschulstandorte weitestgehend ausreichend versorgt, wenn auch seit Einführung der sogenannten Metrolinien und teilweiser Streckenstilllegungen Studierende teilweise kompliziertere Fahrwege in Kauf nehmen müssen. Auffälliger ist die stetig schlechter werdende Anbindung der Standorte der Freien Universität. Die Tatsache, dass es keine Direktverbindung nach Dahlem von Bezirken mit traditionell oder neu erworbener hoher Studierendendichte (Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Neukölln etc.) gibt, wird als änderungswürdig erkannt. Ebenfalls beeinträchtigend wirken die verringerte Taktzeit der U-Bahn nach Dahlem- Dorf, zu geringer Raum zur Fahrradmitnahme und die Schließung der Bushaltestelle Malteserstr./Preysingstr. (X83).
  • Insgesamt erwarten die Studierendenschaften bei Fortführung des Semestertickets bei Streckennetzänderungen und dergleichen eine umfassende Information durch die Verkehrsunternehmen vor Inkrafttreten der Maßnahmen. Für das Semesterticket direkt betreffende Fragen sollte die Information bereits vor Beschlussfassung durch die Gremien des VBB erfolgen. Ihrerseits würden sich die Studierendenschaften um einen intensiveren und kontinuierlicheren Kontakt mit den Verkehrsbetrieben bemühen, um so die Grundlage für ein gemeinsames Stück Verkehrsplanung in Berlin zu leisten, im Interesse aller Beteiligten. Diesen Anspruch, Recht und Pflicht zugleich, begründen die Studierendenschaften mit der vergleichsweise großen Zahl vertretener Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr.


    Die Antwort des VBB auf dieses Schreiben ließ lange auf sich warten. Als sie endlich kam, wurde auf die meisten der angesprochenen Punkte gar nicht eingegangen. Die Preiserhöhung wurde mit der Begründung, dass sie bereits genehmigt sei, als alternativlos dargestellt. Zusätzlich enthält das VBB-Schreiben eine Erläuterung, dass die Anbindung Dahlems sich im Gegenteil zur Wahrnehmung der Studierenden verbessert habe und das Versprechen, dass Fahrkartenkontrolleure in Zukunft noch besser als bisher geschult werden würden. Zu den Fragen der Erweiterung des Gültigkeitsbereiches des Tickets auf Brandenburg, der Einziehung von Studierendenausweisen und des barrierefreien Zugangs zum öffentlichen Nahverkehr war keine Stellungnahme zu bekommen. Ebenso wurde der Wunsch nach einem weiteren Treffen mit den Verkehrsunternehmen kommentarlos übergangen. Die Semtix-LK hat daraufhin in einem weiteren Brief eine Antwort auf die gestellten Fragen und die eingebrachten Vorschläge verlangt. Bislang hat sich der VBB nicht dazu geäußert.

    Semtix-Landeskoordination (Semtix-LK)

    Statt die Verhandlungen komplett platzen zu lassen, hat sich die Landeskoordination Semtix entschieden, die Fortführung des Semesterticketvertrages auf Basis der vom VBB vorgegebenen Preise zur Urabstimmung bringen zu lassen. An der HU und UdK hat die jeweilige Studierendenschaft den neuen Preisen bei Urabstimmungen im Mai zugestimmt.

    Vom 10. bis 12. Juli führt nun die Studierendenschaft der FU Berlin ihre Urabstimmung durch.


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    1 Antwort auf “Probleme mit dem Semesterticket”


    1. 1 Urabstimmung über Semesterticket an der FU « FUwatch Pingback am 10. Juli 2007 um 11:12 Uhr
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