Sternstunden der Freiheit

Die Freie Universität Berlin verleiht am 16. Mai 2007 erstmalig den „Freiheitspreis der Freien Universität Berlin“ an den ehemaligen Staatspräsidenten der Republik Korea, Dr. Kim Dae-jung. Dieser Freiheitspreis ist der Öffenlichkeit noch nicht so recht bekannt, soll aber nach dem Willen des Präsidiums der Freien Universität Berlin schon bald in die oberste Liga der Freiheitspreise aufsteigen.

Der Preis zeichnet Personen von weltweiter Bedeutung aus, die sich in politischem, gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Kontext um Freiheit verdient gemacht haben. Der Freiheitspreis würdigt damit auf internationaler Ebene erstmals das Eintreten für einen der weltweit wichtigsten Werte und reiht sich ein in einen Kanon renommierter Preise.

Ob der Freiheitspreis „erstmals“ auf internationaler Ebene das Eintreten für Freiheit würdigt, sei dahingestellt. Er „reiht sich“ eher ein, denn schließlich vergeben auch andere Institutionen schon seit geraumer Zeit „Freiheitspreise“:

Freiheitspreis der Max Schmidheiny Stiftung
Für Persönlichkeiten und Institutionen, die sich in besonders herausragender Weise für die Erhaltung und Weiterentwicklung der freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung eingesetzt haben.
Preisträger u.a.:
Muhammad Yunus
Kofi Annan

Konrad-Adenauer-Freiheitspreis
Für ein ›Lebenswerk aus vorwiegend konservativer und christlicher Sicht‹
Preisträger:
Alfred Dregger
Helmut Kohl
Wolfgang Schäuble

Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung
Für Persönlichkeiten, die Impulse für die Entwicklung einer liberalen Bürgergesellschaft gegeben haben und so zur Fortentwicklung freiheitlicher Ziele und Werte in Deutschland und in Europa beitragen
Preisträger:
Hans-Dietrich Genscher

Memminger Freiheitspreis
Für bedeutende Personen, welche für Freiheit stehen
Preisträger u.a.:
Wolfgang Thierse
Gyula Horn

Mit dieser großen Auswahl an potentiellen Preisträgern/Preisträgerinnen dürfte es dem Präsidium der FU nicht schwer fallen, den oder die nächsten Preisträger/innen auszuloben und damit das Profil der Freien Universität Berlin weiter zu entwickeln. Mit einem Friedensnobelpreisträger als Preisträger hat die FU-Leitung ein treffendes Gespür für Prominenz gezeigt, um nebenbei auf das Zentrum für Regionalstudien hinzuweisen,

das die herausragende geistes- und sozialwissenschaftliche Regionalkompetenz der Freien Universität bündelt.

Um der Frage nachzugehen, warum die Freie Universität plötzlich einen „Freiheitspreis“ verleiht, sei auf den Vortrag des FU-Präsidenten Dieter Lenzen auf der Tagung zum Thema „Hochschulmarketing – Herausforderungen und Erfolgsfaktoren im Wettbewerb“ am 15. Januar 2007 verwiesen. Hochschulmarketing ist demnach Chefsache und benötigt eine Kernbotschaft, die mit dem Begriff „Freiheit – als Leitbild für Konzepte und Handlungen“ gefunden wurde. Als ergebnisorientierte Marketingmaßnahme wird hier der „Freiheitspreis“ an erster Stelle genannt. Gespannt dürfen wir daher noch auf die an zweiter Stelle genannte „Freiheitsrede“ sein, die sicherlich eine weitere Sternstunde des Hochschulmarketings darstellen wird.


3 Antworten auf “Sternstunden der Freiheit”


  1. 1 Rene Talbot 11. Mai 2007 um 21:28 Uhr

    In der Aufzählung der großen Institutionen, die Freiheitspreise an weltweit bedeutende Befeiungskämpfer verleihen, ist leider die Irren-Offensive vergessen worden!
    Bisher wurden zwei Freiheitspreise (die goldenen Taschenlampe) verliehen, wie hier dokumentiert ist:
    http://www.irrenoffensive.de/szasz/start.htm
    und
    http://www.irren-offensive.de/jubi/narr.htm
    mit der Laudation von dem FU Prof. Wolf-Dieter Narr.

    rEne tAlbot

  1. 1 Die Freiheit, die ich meine? Diskussion zur FU-Gedenkpolitik // AStA FU Berlin Blog Pingback am 29. Oktober 2007 um 2:39 Uhr
  2. 2 Die Freie Universität Berlin kuschelt mit dem Freund der Forschung // AStA FU Berlin Blog Pingback am 08. Februar 2008 um 12:44 Uhr
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