Archiv für Mai 2007

G8 und Bildung

In den kommenden Tagen und Wochen finden verschiedene bildungspolitische Anti-G8 Veranstaltungen statt. Los gehts am 22.05. ab 18 Uhr in der Silberlaube, Raum L115. Auf Einladung des Offenen Anti-G8-Plenums der Freien Universität diskutieren Nele Hirsch (MdB Die.Linke), Peter Grottian (OSI) und Thomas Krikser (OSI) über Bildung im Globalen Markt:

Auch in der Bildungspolitik setzen die G8-Staaten auf neoliberale Politik: Konkurenz und Wettbewerb, Druck und Überwachung statt freier, selbstbestimmter und emanzipatorischer Bildung für alle. Wie hängt die Umstrukturierung unserer Uni mit den G8 und dem globalen Kapitalismus zusammen? Was bedeutet dies für Protest und Alternativen?

Weiter gehts am Samstag den 26. Mai ab 15 Uhr auf dem Lausitzer Platz in Kreuzberg mit einer bundesweiten Demo gegen die G8-Bildungspolitik:

Am 26. Mai 2007 finden in Berlin und Hamburg Großdemonstrationen gegen die Bildungspolitik der G8 statt. Durch diese bundesweit mobilisierten Demonstrationen soll die G8-Bildungspolitik symbolisch in die Zange genommen werden. Der 26. Mai wird als Aktionstag für freie Bildung vorläufiger Höhepunkt der bildungspolitischen Proteste gegen G8-Gipfel im mecklenburg-vorpommerischen Heiligendamm. Hierzu ruft ein breites Bündnis von studentischen Organisationen, SchülerInneninitiativen, Gewerkschaften und globalisierungskritischen Gruppen auf. Das Bündnis setzt sich ein für Bildung frei von Sachzwängen und Verwertungskriterien. Gegen den globalen wettbewerbsorientierten Umbau von Bildung. Gegen Elitenbildung und marktorientierte Eingriffe in das Bildungsangebot.

Auch an den G8-Gipfeltagen spielen die Themen Studiengebühren, Bildungsabbau und Bildungsprivatierung eine Rolle, nämlich im „Yellow Barrio“. Auf Initiative des Protestkomitee gegen Studiengebühren der Uni Bochum wird es ein studentisches bildungspolitisches Protest-Camp vom 31. Mai bis 09. Juni in Reddelich geben.

Sicher durch die Zwangsberatung

Seit heute gibt es im Internet den neuen Leitfaden „Sicher durch die Zwangsberatung“, zusammengestellt von der Hochschulberatung des AStA FU.

Erstmals existiert damit ein unabhängiger und studentischer Ratgeber zum Umgang mit dem Repressionsinstrument „Prüfungsberatung“. Diese wurde im Jahre 2001 gegen studentischen Widerstand an der FU eingeführt und dient seitdem dazu Langzeitstudierende mit Zwangsberatungen, Auflagen und letztlich Zwangsexmatrikulation aus der Uni zu vertreiben.

Aus der Presseerklärung des AStA FU und AStA TU Berlin zur Einführung der Zwangsexmatrikulation vom 02. August 2001:

Das Präsidium der FU will ‚Maßnahmen zur Verkürzung der Studienzeiten‘ einleiten. Dazu zählt die FU den Ausschluss derjenigen, die ihr Studium nicht rasch genug absolvieren. Dies spart zwar objektiv keine Kosten ein, verbessert aber die Position der FU im bundesweiten Uni-Ranking durch vermeintlich kürzere Studienzeiten. In Wirklichkeit werden jedoch nur diejenigen, die etwas länger brauchen, zum Abbruch ihres Studiums gezwungen.

Der Leitfaden gibt einen Überblick über die Rechtsgrundlagen und die Praxis des Beratungsverfahrens und enthält viele Hinweise, etwa wie illegale oder zu umfangreiche Auflagen vermieden werden können. Ziel ist es, die Studierenden über ihre Rechte zu informieren und vor Willkür seitens der Beratenden und der Universitätsverwaltung zu schützen.

Eine persönliche Beratung zum Thema Zwangsberatung und Zwangsexmatrikulation bietet die Hochschulberatung des AStA FU selbstverständlich weiterhin an.

Link zum Leitfaden: „Sicher durch die Zwangsberatung

Bologna und der Bachelor

„Bachelor- und Masterstudiengänge sind in der Regel gut durchgeplant.“ Wenn beim Lesen dieser Aussage ein Fragezeichen in Deinem Kopf entsteht und Du überlegst, ob Dein Studiengang nur eine Ausnahme von der Regel darstellt, dann bist Du nicht der/die Einzige. Die unüberlegte und überhastete „Bildungsreform“ lässt unzählige Studierende mit nicht tragbaren Studienbedingungen, Fehlinformationen und widersprüchlichen Regelungen allein.

Diese in einem AStA Info Artikel geäußerte Feststellung wird durch eine jetzt veröffentlichte Studie empirisch belegt. Die Tageszeitung berichtet heute über die Studie „Studierbarkeit an der Humboldt Universität“ und die darin festgestellten Auswirkungen des Bologna-Prozesses.

Deutscher Bachelor ist kein Masterstück

Laut einer gestern in Berlin veröffentlichten Studie sind Studierende mit der Umsetzung des Bologna-Prozesses weitgehend unzufrieden, häufig sogar verängstigt. Dieser Prozess wurde 1999 von den europäischen Bildungsministern in Gang gesetzt mit dem Ziel, die europäischen Hochschulsysteme anzugleichen. Dabei werden auch die deutschen Magister und Diplome flächendeckend abgeschafft und durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt. Mit der 320-seitigen Studierbarkeits-Umfrage, für die 2.100 Studierende an der Berliner HU befragt wurden, legten erstmals Studierende einen umfassenden Lagebericht vor.

Die Ergebnisse der Studie sind nun auch online nachzulesen.

Pressemeitteilung des AStA FU: Schlechte Betreuung, verschultes Studium – Probleme nicht nur an der Humboldt-Uni!

Out Of Dahlem und AStA-Info Artikel zum Thema:

15. Dezember 2002: Inhalt und Auswirkungen der neuen Ba./Ma.-Studiengänge

15. Dezember 2002: Mach keinen Mist!

15. April 2003: Bologna und der Bachelor

17. Januar 2005: Master Blaster

Droht die Studienreform zu scheitern?

Die Projektgruppe Studierbarkeit veröffentlicht die Ergebnisse ihrer repräsentativen Umfrage an der Humboldt-Universität zu Berlin aus dem Sommersemester 2006. Diese zeigen auf, dass und woran die Studienreform zu scheitern droht.

Die Reform führt nicht zu „mehr Kompatibilität“, zu keinem „Mobilitätsgewinn“ und auch nicht zu einem „flexiblen, zeitnahen und transparenten Studium“, wie in den Bologna-Zielen formuliert. Exemplarisch zeigen die folgenden drei Punkte die Mängel der Studiereform.

Studentinnen und Studenten sind mit der Beratung und Betreuung überwiegend unzufrieden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Studierende vor allem durch viele zusätzliche Kleinstarbeiten, wie Protokolle und Hausaufgaben. Für die Lehrenden steigt durch die Kontrolle dieser der administrative Arbeitsaufwand. Teilnahmebeschränkungen und vorgegebene Studienverlaufspläne verhindern ein flexibles und vielseitiges Studium. Das Bologna-Ziel eines besseren Betreuungsverhältnisses wird verfehlt.
Betreuungs- und Beratungsangebote müssen ausgebaut, der administrative Arbeitsaufwand muss gesenkt werden.

Die Universität muss den Studierenden Perspektiven aufzeigen. Dazu bedarf es allgemein annerkannter Abschlüsse. Die Studierenden sehen den Bachelor-Abschluss hingegen nicht als berufsqualifizierend an. Studierende in den auslaufenden Studiengängen sehen ihren Abschluss gefährdet, da keine ausreichenden Angebote mehr vorhanden sind. Die Universität muss ihre eigenen Bachelor-Abschlüsse anerkennen und alle AbsolventInnen zum Master zulassen. In den auslaufenden Studiengängen müssen genügend Lehr- und Prüfungskapazitäten bereit gestellt werden.

Nur die wenigsten Studierenden können sich ausschließlich dem Studium widmen. Über zwei Drittel der Studierenden sind auf Erwerbsarbeit angewiesen. Mehrfachbelastung werden im Studienalltag nicht berücksichtigt. Wer mehr als nur sein Studium zu meistern hat, hat Pech gehabt. Kinder, chronische Krankheiten oder Erwerbstätigkeit gehören nicht zum Profil einer/s Studierenden.
Bessere Teilzeitregelungen sind daher unabdingbar.

Die vollständigen und ausführlichen Ergebnisse der Studie werden auf eine Pressekonferenz am 14.05.07 um 12 Uhr im Raum 3092, unter den Linden 6 von der Projektgruppe vorgestellt. Kolja Fuchslocher, Mitglied der Projektgruppe Studierbarkeit, dazu: „Wir hoffen, dass unser Engagement dazu beiträgt, die Studiensituation für alle nachhaltig zu verbessern.“

mehr Informationen und erste Pressereaktionen unter: www.studierbarkeit.de

Eine von der Freien Universität Berlin durch geführte Befragung der Bachelorstudierenden kam im Sommersemester 2006 zu ähnlichen Ergebnissen.

Was die Unzufriedenheit mit dem Bachelorstudium betrifft, werden vor allem folgende Faktoren moniert: ein subjektiv als zu hoch empfundener Arbeitsaufwand, die Prüfungskumulation zum Ende der Vorlesungszeit (Gefühl der Überforderung) in Zusammenhang mit der mangelnden Transparenz der Studienanforderungen, eine als problematisch empfundenen Studienorganisation, fehlende bzw. widersprüchliche Informationen sowie Defizite in der Betreuung und Beratung. Hinzu kommen für die Bachelorstudierenden der Leistungsdruck aufgrund des zum Zeitpunkt der Befragung ungeklärten Zugangs zum Masterstudium und die ungewisse Berufsperspektive.

Weitere Ergebnisse dieser Studie sind im Endbericht der Bachelorbefragung zusammengefasst.

Sternstunden der Freiheit

Die Freie Universität Berlin verleiht am 16. Mai 2007 erstmalig den „Freiheitspreis der Freien Universität Berlin“ an den ehemaligen Staatspräsidenten der Republik Korea, Dr. Kim Dae-jung. Dieser Freiheitspreis ist der Öffenlichkeit noch nicht so recht bekannt, soll aber nach dem Willen des Präsidiums der Freien Universität Berlin schon bald in die oberste Liga der Freiheitspreise aufsteigen.

Der Preis zeichnet Personen von weltweiter Bedeutung aus, die sich in politischem, gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Kontext um Freiheit verdient gemacht haben. Der Freiheitspreis würdigt damit auf internationaler Ebene erstmals das Eintreten für einen der weltweit wichtigsten Werte und reiht sich ein in einen Kanon renommierter Preise.

Ob der Freiheitspreis „erstmals“ auf internationaler Ebene das Eintreten für Freiheit würdigt, sei dahingestellt. Er „reiht sich“ eher ein, denn schließlich vergeben auch andere Institutionen schon seit geraumer Zeit „Freiheitspreise“:

Freiheitspreis der Max Schmidheiny Stiftung
Für Persönlichkeiten und Institutionen, die sich in besonders herausragender Weise für die Erhaltung und Weiterentwicklung der freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung eingesetzt haben.
Preisträger u.a.:
Muhammad Yunus
Kofi Annan

Konrad-Adenauer-Freiheitspreis
Für ein ›Lebenswerk aus vorwiegend konservativer und christlicher Sicht‹
Preisträger:
Alfred Dregger
Helmut Kohl
Wolfgang Schäuble

Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung
Für Persönlichkeiten, die Impulse für die Entwicklung einer liberalen Bürgergesellschaft gegeben haben und so zur Fortentwicklung freiheitlicher Ziele und Werte in Deutschland und in Europa beitragen
Preisträger:
Hans-Dietrich Genscher

Memminger Freiheitspreis
Für bedeutende Personen, welche für Freiheit stehen
Preisträger u.a.:
Wolfgang Thierse
Gyula Horn

Mit dieser großen Auswahl an potentiellen Preisträgern/Preisträgerinnen dürfte es dem Präsidium der FU nicht schwer fallen, den oder die nächsten Preisträger/innen auszuloben und damit das Profil der Freien Universität Berlin weiter zu entwickeln. Mit einem Friedensnobelpreisträger als Preisträger hat die FU-Leitung ein treffendes Gespür für Prominenz gezeigt, um nebenbei auf das Zentrum für Regionalstudien hinzuweisen,

das die herausragende geistes- und sozialwissenschaftliche Regionalkompetenz der Freien Universität bündelt.

Um der Frage nachzugehen, warum die Freie Universität plötzlich einen „Freiheitspreis“ verleiht, sei auf den Vortrag des FU-Präsidenten Dieter Lenzen auf der Tagung zum Thema „Hochschulmarketing – Herausforderungen und Erfolgsfaktoren im Wettbewerb“ am 15. Januar 2007 verwiesen. Hochschulmarketing ist demnach Chefsache und benötigt eine Kernbotschaft, die mit dem Begriff „Freiheit – als Leitbild für Konzepte und Handlungen“ gefunden wurde. Als ergebnisorientierte Marketingmaßnahme wird hier der „Freiheitspreis“ an erster Stelle genannt. Gespannt dürfen wir daher noch auf die an zweiter Stelle genannte „Freiheitsrede“ sein, die sicherlich eine weitere Sternstunde des Hochschulmarketings darstellen wird.