Nach dem Krieg – Musik aus Deutschland und Israel von 1946 – 1950

Der AStA der FU Berlin und das Junge Orchester laden herzlich zu unseren Konzerten ein:

So. 18. Februar 2007, 20 Uhr Kammermusiksaal der Philharmonie

Sa. 17. Februar 2007, 20 Uhr Gethsemanekirche
Benefizkonzert veranstaltet durch die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord

Ernst Pepping:
3. Symphonie Die Tageszeiten (1944/48)

Oedoen Partos: Yizkor (In Memoriam) für Viola und Streichorchester (1947)

Richard Strauss: Vier letzte Lieder für Sopran und Orchester (1948)

Paul Ben Haim: Ma Tovu, erster Satz aus der Liturgischen Kantate (1950)

Nach dem Krieg
Musik aus Deutschland und Israel von 1946 – 1950

Das Programm des Konzertes des Jungen Orchesters der FU Berlin im Kammermusiksaal der Philharmonie am 18. Februar 2007 unter Leitung von Uri Rom und in Zusammenarbeit mit der Chorwerkstatt (Ltg. Thomas Richter) widmet sich einer schwierigen Zeit in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Die Grauen des Kriegs waren gerade vorbei und noch sehr präsent in den Köpfen. Wie Künstler mit diesen kollektiven und persönlichen Erfahrungen nach dem Krieg weitergearbeitet oder sie gar verarbeitet haben, will dieser Abend zeigen. Der Fokus liegt hierbei auf Kompositionen aus Deutschland und Israel. Diese beiden Länder stehen sich auf verschiedenen Seiten gegenüber angesichts der größten Katastrophe, des größten Unheils, das sich Menschen je angetan haben, sie stehen aber auch für einen Neuanfang, für Versöhnung und gegenseitige Wertschätzung christlicher und jüdischer Traditionen.

Die beiden israelischen Komponisten Paul Ben Haim und Oedoen Partos sind mit „deutscher Musik“ aufgewachsen – Haim studierte in München und arbeitete mit Bruno Walter – der 1907 in Budapest geborene Partos arbeitete bis 1933 als Kapellmeister in Berlin. Beide haben Deutschland rechtzeitig verlassen können und am Aufbau eines Musiklebens in Israel entscheidend mitgewirkt, beide haben sich von jiddischen und orientalischen Musiktraditionen beeinflussen lassen. Der Text zu Paul Ben Haims Ma Tovu, dem ersten Satz aus der Liturgischen Kantate von 1950, ist dem jüdischen Gebetsbuch entnommen. In diesem Stück für Orchester mit reduzierter Bläserbesetzung sind Teile des vierten Buch Mose verarbeitet. Bileam, der Sohn der Beor ist ein am Euphrat wohnender Prophet dessen Wahrsagung entgegen seines ursprünglichen Auftrags schließlich zugunsten Israels ausfällt. Seine Segnung “Ma tovu“ (“Jakob, wie schön sind deine Zelte, / wie schön deine Wohnstätten, Israel!“) wird in Zusammenhang mit dem ehrfürchtigen Staunen beim Betreten der Synagoge gebraucht. Es sind die einzigen Worte eines Nicht-Juden, die regelmäßig im liturgischen Ablauf eines jüdischen Gottesdienstes verwendet werden. Oedoen Partos schrieb Yizkor 1947 in Erinnerung an den Holocaust – auch diese Musik gleicht einem Gebet. Die dominierende Moll-Tonalität als Zeichen der Trauer verwandelt sich im leise ausklingenden Schlussakkord in Dur zum Zeichen der Hoffnung.

Ernst Peppings dritte Symphonie Die Tageszeiten von 1948 knüpft bewusst an neoklassizistische Traditionen und an die deutsche Spätromantik an, ist handwerklich vollendet und brillant instrumentiert. Pepping ist heute eher als Komponist geistlicher Werke bekannt. Mit seinem Spandauer Chorbuch gilt er zu Recht als Erneuerer der Kirchenmusik im 20. Jahrhundert. “Die Symphonie entstand am Ende des Krieges auf dem Höhepunkt der Luftangriffe, zu einer Zeit, da jeder neue Morgen ein neues Geschenk war“, erklärt Pepping gegenüber dem Bärenreiter-Verlag (Brief v. 9. 4. 1947). Von 1934 bis nach Kriegsende war er als Lehrer an der Kirchenmusikschule des Johannes- Stiftes in Berlin-Spandau tätig und entzog sich so einer direkten Auseinandersetzung mit dem NS-Regime.

Richard Strauss´ Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus bleibt zwiespältig. Strauss, Präsident der Reichsmusikkammer von 1933 bis 1935, war zunächst auf sein eigenes berufliches Fortkommen bedacht und profitierte sogar vom Berufsverbot jüdischer Dirigenten und Komponisten. Erst sein Beharren auf dem jüdischen Librettisten Stefan Zweig für seine Oper Die schweigsame Frau zeigte so etwas wie einen Geist des Widerstands, der anschließend sogar zu seinem Ausscheiden aus der Reichsmusikkammer führte. Musikalisch gilt Richard Strauss als Vollender der Spätromantik. So wegweisend seine Musik bis Anfang des 20. Jahrhunderts war, so weit entfernte er sich später von der Avantgarde. Die Vier letzten Lieder für Orchester und Sopran, im Schweizer Exil ein Jahr vor seinem Tod 1949 fertig gestellt, entstanden nach Texten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff. In der von nichts getrübten Schönheit dieser erst posthum zu einem Zyklus zusammen gestellten Lieder kann man Strauss’ unpolitisches Wesen festmachen: Hier klingt nichts vom unmenschlichen Toben des Krieges nach, es ist ein sehr privates Abschiednehmen vom Leben, allenfalls ein Beklagen der unwiderruflich verloren gegangenen alten Welt.

Das Junge Orchester der FU Berlin

Sopran: Gal James
Viola: Avri Levitan

Chorwerkstatt Berlin, Leitung: Thomas Richter
Bariton: Tomasz Wija

Leitung: Uri Rom

Eintritt:
Kammermusiksaal: 15, 10 und 6 Euro, Gethsemanekirche: 10 Euro,

Sie können über
karten@junges-orchester.de
oder Tel. 030-36751484
Karten für das Konzert im Feb. vorbestellen.

Das Konzert wird unterstützt durch:
Israelische Botschaft, Peppinggesellschaft, Berliner Sparkasse, AStA der FU Berlin