Master und Marktlogik

taz Berlin lokal vom 18.10.2006, S. 23, 34 Z. (TAZ-Bericht)

BACHELOR & MASTER

1999 verabschiedeten 31 europäische BildungsministerInnen die „Bologna-Erklärung“. Sie hat die „Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulsystems“ zum Ziel – durch die einheitlichen Abschlüsse Bachelor und Master. Der Bachelor (BA) ist vergleichbar mit dem alten Vordiplom, gilt nun aber als vollwertiger Studienabschluss. Der Master (MA) – vergleichbar mit dem Diplom – soll ausgewählten Studierenden die akademische Laufbahn ermöglichen. Auch der Studienablauf wird vereinheitlicht. Es wird in Unterrichtsbausteine, die Module, aufgeteilt. Jedes endet mit einer Prüfung. Alle Noten und Praktika werden im Zeugnis aufgelistet, um die „arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen der AbsolventInnen zu fördern“, heißt es in der Bologna-Erklärung. Seit 2001 werden die Studiengänge in Berlin umgestellt. Der AStA der FU spricht vom „Umbau der Hochschulen nach kapitalistischer Marktlogik“ und kritisiert die „Entwissenschaftlichung des Studiums“.

Die taz bezieht sich hierbei auf den Artikel „Bologna und der Bachelor“ aus dem AStA-Info Nr. 3 mit folgendem Fazit:

  • Man wirbt mit Flexibilität, effizienter Ausbildung und Eigenverantwortung (beim Zusammenstellen der Module!, d.h. im ersten Jahr keine Auswahl, im zweiten Jahr schließlich ein etwas größere Auswahl), während man gleichzeitig das Studium entwertet und entwissenschaftlicht.
  • Die internationale Wettbewerbsfähigkeit (bzw. Internationalisierung) nutzt man dabei als Deckmantel, um die Hochschulen nach kapitalistischer Marktlogik umzubauen.
  • Mit gezielter Desinformation versucht man einerseits, uns das BA/MA schmackhaft zu machen. Alle Artikel (Analysen, Aufsätze, Konferenzen) und Bücher, die sich mit dem angloamerikanischen System BA/MA auseinandersetzen, sind auffällig unkritisch und einseitig.
  • Mit gezielter Nicht-Information versucht die Politik andererseits das BA/MA an den Hochschulen über die Köpfe der Studierenden und Universitäten hinweg einzuführen. Die Beschlüsse auf europäischer Ebene werden erst jetzt an den Universitäten durchgesetzt, nachdem auf den höheren Ebenen schon längst die Grundsatzentscheidungen ohne Mitwirkung von Studierenden und Lehrenden getroffen wurden. Die Bologna-Erklärung verpflichtete sich zwar ausdrücklich, die Autonomie der Universitäten zu respektieren. Faktisch jedoch wird den Betroffenen das BA/MA System zwangsweise aufgedrückt.